Nach dem Brexit-Referendum
Angst vor Finanzschock

Nach dem Brexit kommt der Finanzschock. Finanzminister Osborne sagt London schwere Zeiten voraus. Mit der EU will er rasch einig werden. Derweil beschäftigen sich die Parteien mit ihrem Personal.

London. Der britische Finanzminister George Osborne hat rasche Gespräche mit der Europäische Union (EU) gefordert. Dies müsse geschehen, um wirtschaftliche und finanzpolitische Unsicherheit nach dem Brexit-Votum zu bekämpfen. Zugleich warnte er am Freitag vor einem "erheblichen negativen Schock" für die Wirtschaft seines Landes.

"Wir müssen die Unsicherheit verringern, indem wir so schnell wie möglich zu neuen Beziehungen mit Europa kommen", sagte Osborne. Großbritannien müsse "super wettbewerbsfähig sein, offen für Business und freien Handel". Dagegen bekräftigte Justizminister Michael Gove, der sich um die Nachfolge von Premier David Cameron bemüht, die Haltung von Brexit-Wortführern, man könne sich mit Austrittsverhandlungen mit der Europäischen Union Zeit lassen - die EU-Partner wollen indes rasche Gespräche. Gove sagte, falls er Premier werde, wolle er den Austritts-Artikel 50 nicht mehr dieses Jahr in Kraft setzen. Auch die Favoritin für die Cameron-Nachfolge, Theresa May, hat dafür plädiert, sich bei den Austrittsgesprächen Zeit zu lassen.

Sparziel in Gefahr


Osborne machte klar, dass sein Sparziel, im Jahr 2020 erstmals einen Haushalt mit einem Überschuss vorzulegen, sich nach dem Brexit-Votum wohl nicht realisieren lasse. Das Office for Budget Responsibility hatte für das Etatjahr 2019/220 rund 10,4 Milliarden Pfund (12,4 Milliarden Euro) Überschuss vorgesehen.

Osborne hatte wie Cameron beim Referendum für einen Verbleib in der EU gekämpft. Zugleich machten die beiden Favoriten für die Nachfolge Camerons klar, dass sie keine baldigen Neuwahlen anstrebten. Gove und May wollen vor dem regulären Termin 2020 keine Wahlen ausrufen. Laut Presseberichten stellten sich bereits Dutzende Abgeordnete auf die Seite Mays. Sie gilt als mögliche Versöhnerin der zerstrittenen Partei der britischen Konservativen.

Unterdessen scheint der Rückhalt für Labour-Chef Jeremy Corbyn zu bröckeln. Nur noch 51 Prozent der befragten Anhänger der Sozialdemokraten meinten, der Parteivorsitzende mache einen guten Job, 48 Prozent waren gegenteiliger Ansicht. Noch Anfang Mai lag der Wert bei 72:27 Prozent, teilte das Institut YouGov mit. Ein enger Vertrauter Corbyns sagte, er erwarte "in den nächsten Tagen" eine Herausforderung.

Keine Chancen


Corbyns Kritiker fürchten, mit ihm an der Spitze bei Wahlen keine guten Chancen zu haben. Zudem werfen sie dem 67-Jährigen vor, er habe sich beim EU-Referendum nicht mit genügend Nachdruck für einen Verbleib Großbritanniens in der Gemeinschaft eingesetzt.

Mehr HassverbrechenIn Großbritannien ist nach dem Brexit-Votum die Zahl der registrierten Hassverbrechen deutlich gestiegen. Wie die Zeitung "The Times" am Freitag unter Berufung auf Polizeiangaben berichtet, hat sich die Zahl mehr als verfünffacht. Demnach seien seit dem Referendum vor einer Woche 331 Vorfälle gezählt worden. Zuletzt lag der wöchentliche Durchschnitt bei 63. Führende Religionsvertreter kritisierten den Anstieg und warnten vor Fremdenfeindlichkeit. Laut der Vorsitzenden des zuständigen Polizeirats, Sara Thornton, richtete sich die Kriminalität vor allem gegen Migranten. (KNA)
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