Nach dem Fukushima-GAU vor vier Jahren war vom Ende der Kernenergie die Rede - Gekommen ist es ...
AKW-Neubauten statt Atomausstieg

Satellitenfotos wie dieses gingen heute vor vier Jahren um die Welt. Es zeigt das Atomkraftwerk Fukushima wenige Sekunden nach der Explosion in einem der Reaktoren. Bild: Digital Globe/dpa
Es sind hektische Tage im Kanzleramt und im Bundesumweltministerium im März 2011. Es geht um die Frage: Wie kann die vorübergehende Abschaltung von acht Atomkraftwerken begründet werden? Kurz zuvor, am 11. März, war es nach dem Tsunami zur Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima gekommen. Im Fernsehen waren dramatische Explosionen zu sehen.

Vier Jahre später ist dieses Kapitel der 180-Grad-Wende von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrer damaligen schwarz-gelben Koalition keineswegs abgeschlossen. Neben offenen Endlager- und Rückbaufragen haben die Konzerne Bund und Länder mit Klagen überzogen. Und während sich Deutschland von der Atomkraft als Brückentechnologie verabschiedete und die Energiewende ausrief, ist andernorts von einem Atom-Abschied nichts zu sehen.

Streit ums Moratorium

Ein Untersuchungsausschuss in Hessen beschäftigt sich derzeit mit der Frage, ob der Bund die 235 Millionen Euro Schadenersatz zahlen muss, die RWE für die mangelhafte dreimonatige Stilllegungsverfügung der zwei Biblis-Blöcke erklagt hat. Dem Moratorium für acht AKW folgte im Juni 2011 das endgültige Aus - die anderen neun AKW werden bis 2022 stillgelegt, in Kürze geht Grafenrheinfeld in Bayern vom Netz.

Neben Schadenersatzklagen im dreistelligen Millionenbereich gegen das Moratorium sind da noch die Klagen von Eon, RWE und Vattenfall beim Bundesverfassungsgericht, die bei einem Erfolg in Schadenersatzforderungen von weit über 10 Milliarden Euro münden könnten. Vattenfall will zudem 4,7 Milliarden Euro bei einem Schiedsgericht in Washington erstreiten. Im Ernstfall könnte der Atomausstieg unterm Strich sehr teuer für den Steuerzahler werden.

Hier ist ein Knackpunkt die sogenannte Abschalttreppe. Schon in den Fach-Anhörungen des Bundestags im Frühjahr 2011 war es als "juristisch heikel" eingestuft worden, dass etwa die innerhalb von sechs Monaten nacheinander ans Netz gegangenen Blöcke Gundremmingen B und C völlig ungleich behandelt werden: B geht 2017 vom Netz, C aber erst im Jahr 2021.

International wird mit einer Mischung aus Faszination und Argwohn auf das Experiment der Energiewende geschaut. Die Nachbarn sind davon genervt, wie der hohe Stromexport durch die schwer auszutarierende Produktion von Solar- und Windenergie auf der einen und Kohle und Atomstrom auf der anderen Seite Netze und Strommärkte unter Druck setzt. Und von einem globalen Atomausstieg ist nichts zu sehen, auch wenn es immer noch kein einziges Endlager gibt.

In Europa werden Neubaupläne für Atomkraftwerke (AKW) auch mit dem Ende des Jahres geplanten ersten globalen Klimavertrag begründet - Atom als Alternative zur schmutzigen Kohle. Auch Japan argumentiert so, es will Schritt für Schritt runtergefahrene Meiler wieder hochfahren. Und in China und Indien gibt es viele Neubaupläne, weltweit sind es derzeit 438 AKW.

Rekord-AKW in Bayern

In der EU befinden sich derzeit nach Angaben des Atomforums vier Blöcke im Bau: Olkiluoto 3 (Finnland), Flamanville 3 (Frankreich), Mochovce 3 und 4 (Slowakei). "Das Kernenergieprogramm im Vereinigten Königreich ist das umfangreichste Neubauprogramm, das konkret elf Reaktorblöcke an fünf Standorten mit zusammen rund 16 Gigawatt installierter Leistung vorsieht", betont Sprecher Nicolas Wendler.

Die deutschen Meiler, die nach und nach abgeschaltet werden, laufen dagegen weitgehend reibungslos. Und ein Meiler ist sogar Weltmeister: Kein Atomkraftwerk produzierte dem Atomforum zufolge 2013 weltweit so viel Strom wie Isar 2 in Bayern: - 12 Milliarden Kilowattstunden.
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