Nach dem Terrorakt von Orlando
Wie tief sind die IS-Verbindungen?

In vielen Städten der USA, hier in San Francisco, versammeln sich Menschen, um der Opfer des Massakers von Orlando zu gedenken. Bild: dpa
 
Polizeibeamte und Rettungskräfte in der Nähe des Tatorts, dem Nachtclub "Pulse" in Orlando (Florida, USA). Bild: dpa

Was trieb den Attentäter von Orlando? Obwohl er sich zur Terrormiliz IS bekannt hat, bleiben Zweifel über das Motiv. Mit Wucht verschärft das Massaker den laufenden US-Wahlkampf.

Orlando. Nach dem schlimmsten Terrorangriff in den USA seit dem 11. September 2001 wollen die Ermittler Verbindungen des Attentäters zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) aufklären. Die Polizei bestätigte am Montag, dass der Angreifer sich während seiner Bluttat in einem Anruf bei der Polizei zum IS bekannt habe. Es gibt bisher keine bekannten Kontakte des Täters zum internationalen Terrorismus.

Nach Darstellung des IS-Radiosenders Al-Bajan war Todesschütze Omar Mateen ein Kämpfer der Terrormiliz. "Gott hat Omar Mateen geholfen", einen Angriff gegen Kreuzfahrer in einem Nachtclub auszuführen, berichtete der Sender. Außerdem behauptete eine IS-nahe Nachrichtenagentur, ein IS-Kämpfer habe den Angriff ausgeführt.

Mateen (29), ein US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte in der Nacht zum Sonntag in einem Schwulenclub in Orlando (Florida) 49 Menschen getötet und 53 verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde.

Al-Bajan gilt als offizielles Verlautbarungsorgan der Dschihadisten in ihrem Herrschaftsbereich in Syrien und dem Irak. Es wurde nicht gesagt, dass die Tat von der Führungsebene des IS geplant und in Auftrag gegeben wurde.

Die Tat wurde binnen Stunden Gegenstand erbitterten Streits im US-Wahlkampf. Sie wird die schon jetzt heftige Auseinandersetzung der politischen Lager weiter massiv verschärfen.

Während der laufenden Ermittlungen zu den Motiven des Täters und einer möglichen IS-Verbindung preschte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump vor: Er forderte US-Präsident Barack Obama zum Rücktritt auf, weil dieser in seiner Stellungnahme nicht die Worte "radikaler Islamismus" benutzte.

Trumps Äußerungen wurden als vorschnell und Besserwisserei kritisiert, außerdem habe er kein Wort für die Hinterbliebenen übrig gehabt.

Das Massaker heizte auch die Debatte über schärfere Waffengesetze weiter an. Mateen, der vor einigen Jahren mehrfach vom FBI überprüft worden war, hatte kurz vor der Tat legal ein Gewehr und eine Pistole erworben.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton sprach sich erneut für ein strengeres Waffengesetz aus. Zwar hätten gesetzestreue Bürger ein Recht, eine Waffe zu tragen, sagte Clinton CNN. "Aber wir können Maßnahmen ergreifen, damit Waffen nicht in die Hände von Kriminellen und Terroristen fallen."

Auf allen Bundesgebäuden in den USA wehen die Fahnen auf Halbmast. US-Präsident Barack Obama sprach von einem "Akt des Terrors und des Hasses" und der schlimmsten Bluttat eines Todesschützen in der US-Geschichte.

Obama sagte: "Wir haben noch kein endgültiges Urteil gefällt, was die genaue Motivation des Killers angeht." Ganz anders Trump: Er forderte auch die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton auf, aus dem Rennen um das Weiße Haus auszusteigen, weil sie die Wörter "radikaler Islam" ebenfalls nicht verwendet habe.

Der Täter hatte gegen 2.00 Uhr kurz vor der Schließung des Nachtclubs "Pulse" das Feuer auf die Besucher eröffnet. Etwa drei Stunden später wurde der mit einem Gewehr vom Typ AR-15 und einer Handfeuerwaffe ausgerüstete Mann in einem Feuergefecht mit elf Polizisten getötet. Zuvor hatten sich die Beamten unter anderem mit Hilfe eines Sprengsatzes Zugang zum Club verschafft.

Mateen arbeitete für eine Sicherheitsfirma in Florida. Seine 2011 von ihm geschiedene Ex-Frau sagte, ihr Mann sei gewalttätig und psychisch labil gewesen.

Kanzlerin Angela Merkel sagte in Peking: "Unser Herz ist schwer, dass der Hass und die Bösartigkeit eines einzelnen Menschen über 50 Leben gekostet hat."

International wurde die Tat mit Entsetzen aufgenommen. Viele Gebäude erstrahlten zu Ehren der Opfer in den Regenbogenfarben der Schwulen- und Lesbenbewegung, so der Pariser Eiffelturm und die Antenne des One World Trade Center in New York.
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