Nach dem Tod Fidel Castros
Wie geht es weiter in Kuba?

"Satan, Fidel gehört jetzt dir. Gib ihm, was er verdient, lass ihn nicht in Frieden ruhen" steht auf einem Plakat von Exil-Kubanern, die sich in Miami im US-Staat Florida versammelt haben und Castros Tod feiern.

Viele Kubaner sind unsicher, was der Tod von Fidel Castro für Kuba bedeutet. Sie befürchten einen Rückfall in wirtschaftlich schwere Zeiten. Während die Exilkubaner in Miami jubeln, bleibt es in Havanna still.

São Paulo/Havanna. Yoani Sánchez wundert sich. Es ist kurz vor Mitternacht in Havanna. Das staatliche Fernsehen unterbricht sein Programm. Staatschef Raúl Castro sitzt in einer olivgrünen Uniform am Schreibtisch und verkündet sichtlich berührt den Tod seines älteren Bruders Fidel Castro. Kubas Revolutionsführer wurde schon oft tot gesagt. Doch dieses Mal ist es kein Gerücht.

Die regierungskritische Bloggerin ist erstaunt über die Stille in ihrem Wohnblock, die Ruhe in Havanna. Die Menschen laufen nicht auf die Straße und zeigen ihre Trauer. Nur in Nachtklubs wird die laute Musik abgeschaltet. "Stille breitet sich aus, doch liegt auch Angst in der Luft. Es werden schwierige Tage kommen", schreibt Sánchez.

Im Schockzustand


Für viele Kubaner erscheint die Nachricht vom Tod des "Máximo Lider" unwirklich. Die staatlichen Medien scheinen wie im Schockzustand. Es dauert Stunden, bis das staatliche TV sein Programm umstellt und Dokumentationen des Revolutionsführers zeigt.

Die meisten Kubaner wurden während der Castro-Ära geboren. Viele von ihnen reagieren bestürzt auf die Todesnachricht. "Für uns war er wie ein Vater. Ich kann es einfach nicht glauben", sagt eine Bewohnerin aus Havanna mit Tränen in den Augen dem TV-Sender CNN Español. Sie sei nach Hause gelaufen und habe ihre ganze Familie geweckt. "Es wird viele Veränderungen für uns geben. Aber im Moment bin ich einfach nur traurig, eine schlechte Nachricht für Kuba", fügt ein Jugendlicher hinzu.

Moralische Instanz


Auch wenn sich Fidel Castro 2006 aus der aktiven Politik zurückgezogen hatte, war er doch für viele Kubaner eine moralische Instanz, die über sie wachte. Viele Menschen sind jetzt unsicher, befürchten eine Rückkehr in die dunkle Zeit der "Sonderperiode", der "Periodo Especial", in der Lebensmittel, Strom und Benzin streng rationiert werden mussten. Die Regierung verkündet eine neuntägige Staatstrauer. Theaterveranstaltungen werden abgesagt, Kinos geschlossen und der Alkoholausschank in Restaurants und Bars verboten.

"Aus ethischen Gründen feiern wir nicht den Tod eines Menschen, egal wie problematisch dieser war", erklärt José Daniel Ferrer, Gründer der größten Oppositionspartei Unpacu. Auch er sieht unsichere Zeiten auf die sozialistische Insel zukommen. "Das Einzige, was ich sagen kann ist, dass sich viel verändern wird , betont er in der spanischen Zeitung "El Español. "Entscheidend wird sein, wie das Volk reagiert, wie sich das Szenario in Lateinamerika, in den USA und in der EU entwickelt.

Anders als auf Kuba stürmen Hunderte Exilkubaner in Miami spontan auf die Straße und stoßen mit Sekt an. "Wir feiern nicht den Tod, sondern den Beginn einer neuen Zeit", sagt einer der jubelnden Demonstranten. "Freiheit für Kuba", skandiert die Menge.
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