Nach den Terroranschlägen bleibt die Angst
Brüssel sucht nach Normalität

Rechtsradikale stören das Gedenken in Brüssel. Bild: dpa

Brüssel. Der Regen verwischt die Kreidezeichnungen auf dem Boden. Einige Kerzen halten dem Wind nicht stand, sie kippen um. Der Platz vor der alten Börse in der Brüsseler Innenstadt ist in den vergangenen Tagen zum zentralen Gedenkort geworden. Doch am Montag ist kaum jemand gekommen, um zu trauern - der Platz ist fast leer. Am Sonntag noch sah es hier ganz anders aus. Aggressive Hooligans störten das Gedenken - schwarz gekleidet, kurz geschoren und teils vermummt.

Mehrere Hundert der teils Rechtsradikalen waren gekommen - vermeintlich, um gegen den islamistischen Terror zu protestieren, der die Stadt nur wenige Tage zuvor erschüttert hat. In kaum einer Stunde drängte ein massives Polizeiaufgebot die randalierende Gruppe mit Hilfe von Wasserwerfern zurück zum Bahnhof. Der Brüsseler Bürgermeister Yvan Mayeur kritisierte, dass die Polizei des Ortes Vilvoorde nördlich der Hauptstadt die Hooligans nicht aufgehalten habe, die aus Flandern anreisten. Die gewalttätigen Randale auf dem Börsenplatz werfen auch ein Schlaglicht auf die Zerrissenheit Belgiens nach den Terroranschlägen. Es entwickelte sich sofort Polemik entlang der Sprachgrenze zwischen den niederländisch sprechenden Flamen und den französischsprachigen Wallonen. Zum Ärger vieler distanzierte sich der Antwerpener Bürgermeister und Vorsitzende der flämischen Nationalisten-Partei N-VA Bart De Wever nicht von den Vorfällen in Brüssel. De Wever ist der starke Mann in Belgien, denn seine Partei stellt im Parlament die größte Fraktion.

Doch unbeirrt von politischen Auseinandersetzungen versucht Brüssel, zur Normalität zurückzukehren - wenn auch mit kleinen Schritten. Soldaten und Polizisten bewachen Bahnhöfe, öffentliche Gebäude und U-Bahn-Stationen. Man muss sich dabei auch in Erinnerung rufen: Soldaten gehören seit Anfang 2015 zum Straßenbild. Damals verhinderten die Behörden nach eigenen Angaben einen größeren Islamisten-Anschlag.

Die U-Bahn fährt wieder auf der Strecke, die am Dienstag vom Anschlag getroffen wurde. An der Station Maelbeek, dem Attentatsort unweit des Europäischen Parlaments, hält sie nicht. Oben am Ausgang liegen Blumen - auf jeder Straßenseite. Dazwischen rollt wie gewohnt der Verkehr über die Rue de la Loi.
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