Nach den Übergriffen in der Silvesternacht: Was wir wissen, was wir nicht wissen
Die Fakten zu Köln

Köln. Auch Tage nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln gibt es viele ungeklärte Fragen. Eine Übersicht:

Was wir wissen


Am Silvesterabend versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 1000 Männer auf dem Bahnhofsvorplatz. Viele waren betrunken und völlig enthemmt. Feuerwerkskörper wurden in die Menge gefeuert, die Stimmung war aggressiv. Die Polizei räumte den Platz vorübergehend.

Es bildeten sich kleinere Gruppen von Männern, die Frauen umzingelten, sexuell belästigten und ausraubten. Nach Aussagen von Zeugen, Opfern und Polizeibeamten sollen die Männer "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammen und zwischen 15 und 35 Jahren alt gewesen sein.

Bis Mittwoch gingen bei der Polizei mehr als 100 Anzeigen ein. Davon haben drei Viertel einen sexuellen Hintergrund, wie eine Polizeisprecherin sagte. Nach den Vernehmungen der Opfer habe sich ein klareres Bild der Taten ergeben. Viele Frauen gaben in den Gesprächen - zum Teil auf Nachfrage der Beamten - an, dass sie auch angefasst worden seien. In zwei Fällen geht es Polizeipräsident Wolfgang Albers zufolge um den Vorwurf der Vergewaltigung.

Es gibt bisher keine Festnahmen im Zusammenhang mit den Silvester-Vorfällen. Die fünf Männer, die am 3. Januar im Kölner Hauptbahnhof verhaftet worden waren, haben nach bisherigen Ermittlungen nichts mit den Übergriffen zu tun. Hier geht es laut Polizei um reine Taschendiebstähle, die erst am Tag der Festnahme passiert seien.

Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handeln könnte. Das betonte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) in der Pressekonferenz am Dienstag.

Was wir nicht wissen


Wer die Täter sind. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zufolge haben die Ermittler drei Verdächtige ermittelt. Die Beweisführung gestalte sich der Polizeisprecherin zufolge als sehr schwierig, was an der Gemengelage liege. Es war dunkel, die Täter konnten in der Menschenmasse untertauchen. Es werde nach den Worten der Sprecherin "verdammt schwierig", Täter dingfest zu machen.

Ob es sich um eine organisierte Bande handelt oder sich die Täter vorab verabredet haben - dazu hat die Polizei noch keine Erkenntnisse. "Es scheint allerdings seltsam, dass das alles zufällig passiert ist", sagte die Sprecherin.

Ebenfalls unklar ist, ob die Übergriffe einer neuen Masche des Trickdiebstahls folgten, ähnlich der "Antänzer"-Methode. Albers zufolge haben die Silvestervorfälle ein neues Ausmaß. Frühere Opfer der "Antänzer" seien in der Regel Männer gewesen, das habe sich nicht im sexuellen Bereich abgespielt.

Ob es Zusammenhänge zu den Taten in Hamburg und weiteren Städten gibt, ist auch offen. Die Polizeisprecherin sagte lediglich, das sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.