Nach mehr als 50 Jahren Gewalt
Kolumbien steht vor historischem Friedensvertrag mit linken Farc-Rebellen

Cartagena. Kolumbien zieht einen Schlussstrich unter den ältesten Konflikt Lateinamerikas. Die kolumbianische Regierung und die marxistische Guerillaorganisation Farc wollten am Montag um Mitternacht unserer Zeit einen Friedensvertrag unterzeichnen. "Heute kann ich euch sagen, dass wir die Freude eines neuen Morgens in Kolumbien erleben, eine neue Etappe unserer Geschichte, ein Land im Frieden", schrieb Präsident Juan Manuel Santos auf Twitter. Die Farc-Rebellen teilten mit: "Der Krieg ist vorbei. Lasst uns alle den Frieden aufbauen."

Zu der Unterzeichnung des historischen Abkommens wurden zahlreiche Staats- und Regierungschefs sowie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Cartagena de Indias an der kolumbianischen Karibikküste erwartet. Unterhändler beider Seiten hatten in Kuba mit internationaler Hilfe fast vier Jahre lang über die Beilegung des Konflikts verhandelt.

Die noch rund 8000 Kämpfer der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) sollen nun ihre Waffen abgeben. In dem Konflikt zwischen Militär, rechten Paramilitärs und linken Guerillagruppen wurden mehr als 220 000 Menschen getötet, Millionen Menschen wurden vertrieben.

Am 2. Oktober sollen die Kolumbianer über das Abkommen abstimmen. Die kleinere Rebellengruppe ELN kündigte am Sonntag an, ihre Angriffe an diesem Tag einzustellen, um den Menschen eine Teilnahme an dem Referendum zu ermöglichen.

Die Farc-Rebellen hatten 1964 zu den Waffen gegriffen, um das Elend der Landbevölkerung zu beseitigen. Fünf Jahre zuvor war der Sieg der kubanischen Revolution zum Vorbild für zahlreiche linke Guerillagruppen auf dem ganzen Kontinent geworden. Auch die Farc wollten mit Waffengewalt gegen die Ungerechtigkeit kämpfen. Später wurde die Entführung von Zivilisten zur Kampfpraxis; finanziert wurde der Kampf auch mit Drogenhandel. Mit den Farc tritt nun die größte der wenigen noch verbliebenen Guerillabewegungen in Lateinamerika ab.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.