Nach Mord an Jo Cox
Brexit wieder offen

Die Trauer um die 41-jährige Jo Cox ist groß. Die britische Abgeordnete wurde am Donnerstag niedergestochen und -geschossen. Vor dem Parlament legten viele Briten Blumen nieder. Bild: dpa

Briten sind keine "echten Europäer". Schließlich leben sie auf einer Insel. Auch das spielt beim Brexit-Votum am 23. Juni eine Rolle. Doch nun wirft der Mord an der Abgeordneten Cox ein neues Licht auf das Referendum.

London/Berlin. Das britische Pfund befindet sich auf Talfahrt, die Banker sind verunsichert, internationale Organisationen schlagen Alarm. Von US-Präsident Barack Obama bis zur deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) - die Angst vor dem britischen EU-Austritt hat die Mächtigen erfasst. Doch kurz vor dem Referendum könnte ein Verbrechen alle Kalkulation durcheinanderbringen. Noch ist unklar, ob politische Motive hinter der Ermordung der Abgeordneten Jo Cox (41) stehen. Zu den Beweggründen eines 52-Jährigen, der weiter verhört wird, schweigt die Polizei noch. Doch fest steht: Die Tote war bekennende EU-Verfechterin.

In einer ersten Reaktion setzten beide Lager ihren Wahlkampf für Freitag und Samstag aus - die Austrittsbefürworter kündigten aber für Samstag Hausbesuche an. Die Folgen für das Referendum blieben unabsehbar. Der mutmaßliche Mörder von Cox soll Verbindungen zu US-Neonazis und südafrikanischen Rassisten gehabt haben. Britische Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, der Täter habe "Britain first" gerufen - das ist der Name einer rechtsradikalen Partei.

Die Brüder des Täters äußerten dagegen Zweifel an einer politischen Motivation hinter dem Verbrechen. Unbestätigten Informationen zufolge litt der Mann an psychischen Problemen. Premierminister David Cameron und Labour-Oppositionschef Jeremy Corbyn legten am Tatort Blumen nieder. Corbyn nannte das Verbrechen einen "Angriff auf die Demokratie".

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid zufolge glauben 70 Prozent der Deutschen weiterhin, dass es die EU auch in zehn Jahren noch geben wird - allerdings mit weniger Mitgliedsstaaten, sagen davon 40 Prozent. 27 Prozent sind vom Scheitern der EU überzeugt. (Kommentar, Seite 2 und 3)
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