Nach Treffen mit Staatschef kurzes Gespräch mit einem Sohn - Vereinbarungen über Zusammenarbeit ...
Steinmeier trifft zwei Castros

Der kubanische Staatspräsident Raúl Castro (links) mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Havanna. Bild: dpa
Lange war unklar, ob Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei seinem Besuch in Havanna ein Mitglied der Castro-Familie zu Gesicht bekommen würde. Am Ende waren es dann sogar zwei: Raúl, der 84-jährige Präsident der Republik Kuba. Und Fidel, genannt Fidelito, Atomphysiker und mit 65 Jahren der älteste Sohn des legendären "Revolutionsführers" Fidel Castro.

Am Donnerstagabend bekommt Steinmeier zunächst einen Termin beim Staatschef, nachdem er sich bereits bei drei Treffen mit kubanischen Ministern "warmgelaufen" hatte. Die beiden reden fast zwei Stunden. Vor allem redet Castro. Es geht um die Beziehungen Kubas zu den USA, um die Lösung des Atomstreits mit dem Iran, aber auch um das Thema Menschenrechte. Steinmeier sichert Castro zu, dass Deutschland die Öffnung Kubas weiter unterstützen wolle. Dann geht es weiter zu einem Empfang in die Residenz des deutschen Botschafters. Etwas unverhofft trifft Steinmeier dort auf den zweiten Castro. Fidelito war als Wissenschaftler oft in Deutschland und ist mit einem der deutschen Unternehmer in Havanna gut befreundet. Zehn Minuten plaudert der Außenminister mit Fidel Castro junior beim Stehempfang. Zu einer Begegnung mit dem Vater kommt es während seines zweitägigen Aufenthalts nicht.

Das Spektrum der Termine Steinmeiers reicht vom Erzbischof bis zum Sportler. Er ist gekommen um zuzuhören, bringt aber auch ein konkretes Ergebnis nach Hause mit: Erstmals gibt es nun zwei Grundlagenvereinbarungen über die Beziehung zwischen Deutschland und Kuba. Sie sollen die Basis für die weitere Zusammenarbeit sein.

Auf deutscher Seite gibt es da vor allem zwei Wünsche. Mit einem Kulturabkommen soll die seit langem geplante Eröffnung eines Goethe-Instituts in Havanna realisiert werden. Die deutsche Wirtschaft hofft auf eine ständige Repräsentanz in Havanna und den Abbau von Investitionshemmnissen. "Das größte Problem ist für mich die Bürokratie", klagt der Unternehmer Jürgen Nicklaus, der seit 15 Jahren auf Kuba lebt und eine Anlage für Industriegase betreibt. 60 Prozent seiner Arbeitszeit würden dafür drauf gehen. Hinzu kommen hohe Steuern für ausländische Unternehmen. Ein europäischer Kleinwagen, für den man in Deutschland 12 000 Euro bezahlt, kostet in Kuba 220 000 US-Dollar. Für viele kleine und mittelständische Unternehmen sei das nicht bezahlbar. Außerdem könne man sich die Arbeitskräfte nicht selbst aussuchen. Sie würden staatlich zugeteilt. Nur 30 deutsche Unternehmen und Banken haben sich bisher auf Kuba angesiedelt. Zwar sind seit der Machtübergabe von Fidel an Raúl Castro 2008 Reformen eingeleitet worden. Die Wirtschaftsdelegation, die Steinmeier begleitet, besichtigte beispielsweise einen Containerhafen 40 Kilometer außerhalb Havannas, um den eine Sonderwirtschaftszone entstehen soll. Bisher haben sich dort aber erst wenige Unternehmen angesiedelt. Wie sich das weiter entwickelt, müsse erst einmal abgewartet werden, sagt Nicklaus skeptisch.
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