Nächste große Hürde: Machbarkeitsstudie im Frühjahr
In drei Jahren zu Weiden-West IV

Grünen-Fraktionschef Karl Bärnklau: "Ich respektiere aber auch die Meinung von Leuten, die das Ergebnis nicht haben wollten und nun alle demokratischen Mittel ausschöpfen."
Weiden. (rg) Die erste Hürde ist genommen. Viele weitere warten. Die Verantwortlichen der Stadt wollen sie zügig überwinden, damit das Gewerbegebiet Weiden-West IV möglichst schnell Wirklichkeit wird.

Bereits am Montag, 17. November, soll der Stadtrat die nächsten Weichen stellen. Kämmerin Cornelia Taubmann: "Wir empfehlen, jetzt das Bauleit- und das Flächennutzungsplanverfahren zu forcieren."

Nach einer Reihe von Gutachten - etwa zu Hochwasserschutz und Verkehrsproblematik - könnte bis in einem halben Jahr eine Machbarkeitsstudie vorliegen. Inklusive einer "ersten groben Kostenschätzung", wie Projektleiterin Taubmann erklärt. Das wäre dann die nächste große Hürde: die Frage, ob sich das Vorhaben überhaupt rechnen kann. Möglich, dass all die Erschließungsmaßnahmen zu einem Preis führen, "den kein Unternehmen finanzieren kann".

Finanzierung noch unklar

Solche Unwägbarkeiten mal ausgeklammert, könnten in etwa einem Jahr die Aufstellung eines Bebauungsplans und die konkrete Bauleitplanung beginnen. Parallel müsste die Stadt mit dem Staat den Einmündungsbereich und die Verkehrsführung auf der B 470 ("Überkreuzung mit Zufahrt") in Angriff nehmen. Noch ungeklärt ist die Frage, wer die Erschließung finanziert.

Vielleicht die Weidener Gesellschaft für Stadtentwicklung, eine Tochter der Stadtbau, die schon beim Waldkauf einsprang? Das wäre eine Option. Möglich wäre aber auch ein "PPP"-Modell wie bei der neuen FOS/BOS - "oder ein Unternehmen, das ansiedeln will, erschließt selbst". So oder so: Entscheidend bleibe, was die Stadt will, sagt die Kämmerin: "Sie entscheidet, mit welchem Unternehmen sie ins Geschäft kommt."

"Klares Signal"

IHG-Vorsitzender Gerhard Ludwig mahnt, das Gewerbegebiet "behutsam und sorgfältig zu entwickeln". Mit dem Etappensieg vom Sonntag zeigt er sich "sehr zufrieden": "Die große Mehrheit der Interessierten hat erkannt, dass das Gebiet für eine gute Zukunft Weidens wichtig ist." Eine geschickte Umschreibung dafür, dass sich gerade mal knapp 29 Prozent der Stimmberechtigten am Bürgerentscheid beteiligt haben. Dennoch erkennt auch Jürgen Spickenreuther ein "klares Signal". Zumal sich für eine solche Abstimmung in erster Linie naturgemäß die Projektgegner motivieren ließen.

Um so dringender würde der Vorsitzende des Wirtschaftsclubs Sonja Schuhmacher und ihren Mitstreitern vom Bund Naturschutz dazu raten, das Ergebnis zu respektieren. Überhaupt: "Wirtschaft, die nicht auf die Ökologie schaut, gibt es heuer nicht mehr", betont Spickenreuther. Das Vorhaben, das Waldgebiet als Gewerbegebiet zu nutzen, sei "absolut vertretbar". Es sei denn, "man will die Wirtschaft insgesamt abschreiben und sich nur noch von Pflanzen und Wurzeln ernähren".

Grüne Werte hochhalten

Enttäuscht von der Beteiligung zeigt sich Karl Bärnklau. "Schade, dass sich nicht mehr Bürger für seine solche Thematik interessieren." Anders als Vertreter des Bundes Naturschutz kündigt der Fraktionschef der Grünen im Stadtrat jedoch an, die Entscheidung zu akzeptieren. Schließlich hätten die Grünen den Bürgerentscheid befürwortet. Verständnis zeigt Bärnklau jedoch auch für Leute, "die das Ergebnis nicht haben wollten und nun alle demokratischen Mittel ausschöpfen". Oder, konkreter: "Es ist doch der Job des Bundes Naturschutz, sich für die Belange der Umwelt einzusetzen."

Bärnklaus Truppe konzentriert sich derweil darauf, im Zuge des weiteren Verfahrens "das Bestmögliche im Sinne der grünen Werte rauszuholen". Groß sei der Handlungsspielraum für die Politik nicht: Bei der Auswahl der Unternehmen fürs Gewerbegebiet, so Bärnklau, könne die finanzklamme Stadt möglicherweise nicht sehr anspruchsvoll sein. Seine Forderung: "Rückgrat beweisen".
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