Nächste "Pegida"-Runde

Auch in der Internet-Gemeinde schlägt das Thema "Pegida" weiter hohe Wellen. Karl Lempert (unser Bild) hat die Online-Petition "Für ein buntes Deutschland, NoPegida" gestartet. Gegner und Befürworter der Anti-Islam-Bewegung "Pegida" liefern sich einen heftigen Schlagabtausch. Nach der Weihnachtspause gehen heute auch die Proteste bei den Montagsdemonstrationen weiter. Bild: dpa

Haltet euch fern von den Pegida-Islamfeinden, hat die Kanzlerin gemahnt. Vizekanzler Gabriel schlägt andere Töne an und wendet sich gegen eine Ausgrenzung der Symphatisanten. Wie Merkel geht er aber scharf die Organisatoren der Demos an.

(dpa/KNA) Unmittelbar vor der nächsten Pegida-Demonstration in Dresden hat SPD-Chef Sigmar Gabriel davor gewarnt, die Sympathisanten der islamkritischen Bewegung pauschal zu ächten. Man müsse sich "mit der wachsenden Zahl derer beschäftigen, die offenbar den Eindruck haben, in unserem Land kein Gehör mehr zu finden", sagte er der "Bild am Sonntag".

Heute Abend will die rechtspopulistische "Pegida"-Bewegung in Dresden wieder auf die Straße gehen. Vor Weihnachten waren rund 17 500 Menschen dem Aufruf der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" gefolgt und hatten gegen die angebliche "Überfremdung" demonstriert.

Gabriel sagte, viele Menschen glaubten, dass Dinge, die sie im Alltag bewegen, von Politik und Medien nicht aufgegriffen oder unterdrückt würden. "Die Distanz zur Politik, die regelrechte Verachtung von Parteien und Politikern sind inzwischen sehr weit verbreitet." Zugleich kritisierte Gabriel die "Pegida"-Initiatoren scharf: "Nicht wenige der Organisatoren sind verurteilte Kriminelle, Neonazis und Antisemiten. Anständige Leute laufen solchen Typen nicht hinterher." Der SPD-Chef regte an, die Unterbringung von Flüchtlingen künftig aus dem Bundeshaushalt zu bezahlen. "Wenn eine Kommune entscheiden muss, ob sie das Geld für den Bau des Flüchtlingsheims oder den Erhalt des Schwimmbads ausgibt, dann haben wir sozialen Sprengstoff."

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, warnte davor, Flüchtlinge in Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge einzuteilen. Eine solche strikte Unterscheidung sei "nicht hilfreich", weil die Trennung "nie genau zu ziehen" sei. Es sei zudem nicht illegitim, wenn Menschen aus anderen Ländern kommen, "weil sie hier eine neue Chance suchen". Gabriel erklärte, Deutschland sei mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen "sicher nicht" überfordert. "Gemessen an dem, was Jordanien oder der Libanon leisten, müsste Deutschland 20 Millionen Flüchtlinge aufnehmen", sagte der SPD-Chef. Es seien jedoch lediglich 200 000 Menschen.
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