Nah am Abgrund

Die kurdischen Verteidiger der Grenzstadt Kobane kämpfen zunehmend auf verlorenem Posten gegen die IS-Terrormiliz. Trotz neuer US-Luftangriffe rücken die Dschihadisten immer weiter vor. Das Bündnis gegen IS will über eine neue Strategie beraten.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) drängt die sich verzweifelt wehrenden Kurden in der Grenzstadt Kobane immer weiter in die Enge. Trotz erbitterter Gegenwehr und US-Luftangriffen konnten die Dschihadisten im Häuserkampf weitere Viertel der Stadt erobern. Am Donnerstag meldete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die als grausam bekannten IS-Milizen kontrollierten bereits ein Drittel der Stadt. Auch in unmittelbarer Nähe zur türkischen Grenze gibt es heftige Gefechte.

Die Regierung in Ankara sprach sich dennoch gegen einen Alleingang mit Bodentruppen aus. Die USA setzten ihre Luftschläge in Syrien mit Kampfjets, Bombern und Drohnen fort. Pentagon-Sprecher John Kirby versicherte: "Wir tun aus der Luft alles, was wir können, um den Schwung des IS gegen diese Stadt aufzuhalten.". Luftangriffe allein würden Kobane aber nicht retten können, räumte auch er ein.

Militärs suchen Strategie

"Dass nur die Türkei ganz alleine eine Bodenoperation unternimmt, ist kein realistischer Ansatz", sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu nach einem Treffen mit dem neuen Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Donnerstag in Ankara. Das internationale Bündnis gegen den IS müsse sich auf eine gemeinsame umfassende Strategie einigen. Die Militärchefs der Koalition wollen nun bei einem Treffen auf höchster Ebene über ihre Strategie im Irak und in Syrien diskutieren. Dazu habe US-Generalstabschef Martin Dempsey mehr als 20 seiner Kollegen eingeladen, sagte ein Angehöriger des US-Militärs. Die Zahl der Toten in der Türkei bei Protesten im Zusammenhang mit Kobane ist auf mindestens 24 gestiegen.

Unterdessen wird in Hamburg nach der Sicherstellung gefährlicher Waffen im Anschluss an eine Demonstration von mehr als 1000 Kurden gegen mehrere Teilnehmer ermittelt. Die Polizei war mit fast 1300 Beamten im Einsatz. Sie bereitet sich für heute, wenn Muslime zum Freitagsgebet zusammenkommen, erneut auf einen größeren Einsatz vor. Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Gerhard Kirsch, sprach von einer neuen "gefährlichen Dimension", "die wir so bisher bei Demonstrationen nicht kannten". Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer (CSU), nannte es nicht hinnehmbar, "dass unsere Städte zum Schauplatz werden für Religionskriege bestimmter religiöser oder ethnischer Gruppen".
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