Neue Atemschutzübungsstrecke Neuhaus - Brodeln in Feuerwehrkreisen
Aufregung um Atemschutz

So hell und unverraucht sieht die Atemschutzstrecke während der Übungen nicht aus. Der Tirschenreuther Kommandant Harald Birner zeigt auf einen Ausschnitt der Anlage im ersten Stock des Gerätehauses. Die Käfigmodule lassen sich variieren, um viele Szenarien zu trainieren. Bild: as

Tirschenreuth. (as) Neuhaus oder Tirschenreuth? Dazwischen liegen keine 20 Kilometer, aber für manchen Aktiven Welten. Für gehöriges Brodeln in Feuerwehrkreisen sorgt die Überlegung, gemeinsam mit dem Landkreis Neustadt und der Stadt Weiden eine neue Atemschutzübungsstrecke einzurichten - in einer seit drei Jahren bestehenden Halle im Industriegebiet Neuhaus, direkt an der Autobahn.

Den Stein der Diskussion ins Rollen brachte Kreisfeuerwehrarzt Dr. Wolfgang Fortelny. Bei der Versammlung der Kommandanten Ende November kündigte der von der Entwicklung selbst überraschte Kreisbrandmeister Widerstand gegen die Verlagerung an: "Aus Weiden oder Neustadt kommt nie etwas zu uns herauf", sagte er damals. Und bisher laufe die Ausbildung in Tirschenreuth doch hervorragend.

Sitzung am 11. Februar

Eine Stellungnahme zur Entwicklung seit November will der Arzt momentan nicht abgeben: "Ich warte sehnsüchtig auf die Sitzung am 11. Februar. Es müssen endlich vergleichbare Zahlen auf den Tisch." In zwei Wochen ist im Landratsamt eine Besprechung mit allen betroffenen Feuerwehr-Kommandanten und Bürgermeistern aus dem Landkreis angesetzt. Zwischenzeitlich wurde bei etlichen Feuerwehr-Versammlungen Kritik an den Fusionsplänen laut. So befand Kommandant Wolfgang Stock von der Fuchsmühler Wehr mit Verweis auf die Integrierte Leitstelle und Taktisch-Technische Betriebsstelle in Weiden: "Es muss nicht alles aus dem Landkreis Tirschenreuth verlagert werden." Und Stefan Müller, Kommandant der Waldershofer Feuerwehr, kritisierte die Führungskräfte. Sollten sie bisher eingebunden gewesen sein, hätten sie wohl geschlafen. "Man kann doch solche Entscheidungen nicht befürworten, ohne die Wehren zu fragen."

Noch nichts entschieden

"Es ist noch nichts entschieden", nimmt Landrat Wolfgang Lippert etwas Feuer aus der Diskussion. Allerdings verhehlt er nicht seine Sympathien für das gemeinsame Projekt in Neuhaus. Schon aus finanziellen Gründen: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass uns ein eigener Bau günstiger kommt." Der Landkreis müsste für diese Pflichtaufgabe allein einen Betrag investieren, der wohl nicht viel unter einer Million Euro läge. "Wenn die gemeinsame Lösung deutlich günstiger kommt, werde ich mich für Neuhaus einsetzen", kündigt der Landrat an. Er nennt zwei Argumente: den Sparzwang der Haushalts-Konsolidierung und die Stärkung der interkommunalen Zusammenarbeit. Hintergrund der Pläne sind ähnliche Probleme in beiden Landkreisen. Die Einrichtung in Neustadt braucht dringend eine Sanierung. Auch die Tirschenreuther Strecke, seit 1986 im neuen Feuerwehrhaus der Kreisstadt untergebracht, ist in die Jahre gekommen. Und: Das relativ junge Gebäude wird demnächst sowieso abgerissen, ebenso wie der Nachbarbau von 1964. Die Tirschenreuther Wehr bekommt ein neues Domizil am Stadtrand in der Nähe des Gymnasiums. Der Bau soll 2016 beginnen. Was es kosten würde, wenn sich der Landkreis dort einmieten oder selbst neu bauen würde, soll nun ebenso auf den Prüfstand wie die Ausgaben für das Neuhauser Modell. Am 11. Februar ist im Landratsamt eine Besprechung mit allen Feuerwehr-Kommandanten. Endlich, sagen viele Beteiligte, die sich bisher eher schlecht als recht informiert fühlen.

Problem Gerätewartung

"Es kann doch nicht sein, dass man nicht mit den Betroffenen spricht", findet zum Beispiel der Tirschenreuther Kommandant Harald Birner. Mit den Schulungen in der Kreisstadt klappe es bisher bestens. Er verweist auf längere Anfahrtswege für etliche Feuerwehren und andere Ungereimtheiten. Zum Beispiel die Frage, ob dann die Gerätepflege auch in Neuhaus oder gar in Weiden bei der dortigen Feuerwache angesiedelt wird. Denn nach jedem Brand- oder Übungseinsatz müssen die Atemschutzmasken gereinigt, die Pressluftflaschen neu befüllt werden. "Die Werkstatt ist ein anderes Kapitel", sagt Landrat Lippert. "Ich kann niemandem vorschreiben, wo er die Geräte warten lässt." Anders als bei der Übungsstrecke seien hier die Kommunen zuständig. Der Waldershofer Kommandant hat angekündigt, die Wartung im viel näher liegenden Marktredwitz zu erledigen. Auch Wiesau tut das bereits.

Ungelegte Eier

Für Kreisbrandrat Franz Arnold ist der Ort der Gerätepflege nicht das wichtigste Detail. "Da kann sicher ein Modus gefunden werden." Manche Wehren hätten nach Neuhaus etwas längere Anfahrtswege, andere kürzere: "Das hebt sich auf." Den Vorwurf, in der ganzen Sache geschlafen zu haben, lässt er freilich nicht auf sich sitzen. "Ich kann nicht in allen Dingen erst die Kommandanten fragen. Wenn ich Zahlen und Fakten auf dem Tisch habe, rede ich natürlich auch mit ihnen." Alles andere seien ungelegte Eier, begründet Arnold seine Informationspolitik mit Hinweis auf die Besprechung am 11. Februar.

Eines ist für den obersten Dienstgrad in der Feuerwehr-Hierarchie des Landkreises klar: "Wenn sich die ganze Geschichte in Neuhaus rechnet, warum denn nicht? Das ist eine Riesenhalle. Da könnten wir ganz andere Übungen anbieten." Der Landrat sieht es ähnlich. "Es geht doch nicht um Kirchturmdenken, sondern um eine optimale Übungsstrecke für unsere Feuerwehrleute. In Neuhaus könnten sie sich bestens entfalten."
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