Neue Austrittswelle

Leere Kirchen gibt es im Bistum Regensburg nur zwischen den Gottesdiensten. Rund 17 Prozent der Gläubigen besuchen die Gottesdienst. Mehr sind es nur in Görlitz, mit 21,1 Prozent. Bild: Hartl

Auch Papst Franziskus kann der katholischen Kirche in Deutschland nicht helfen. Noch nie haben ihr so viele Menschen den Rücken gekehrt - obwohl es vergangenes Jahr keinen Skandal gab. Auch das Bistum Regensburg muss Einbußen hinnehmen.

(paa/KNA/epd) Bei der Zahl der Kirchenaustritte liegt das Bistum Regensburg an dritter Stelle in Bayern. 7042 Menschen kehrten der Diözese im vergangenen Jahr den Rücken. Nur im Bistum Augsburg (12 090) und im Erzbistum München-Freising (20 562) verließen mehr Menschen die Kirche. Im Bistum Eichstätt haben sich 3153 Mitglieder von der Kirche abgewandt, im Erzbistum Bamberg 5765.

Anstieg um 25,5 Prozent

Insgesamt verließen in Bayern 57 097 Menschen die katholische Kirche, ein Anstieg der Austritte um 25,5 Prozent. Die evangelische Kirche in Bayern erwischte es noch härter. Nach Auskunft eines Sprechers verließen vergangenes Jahr 28 400 Personen die Kirche, 41,5 Prozent mehr als im Jahr 2013. Allerdings gab es auch 4150 Rückkehrer oder Konversionen zur evangelischen Kirche.

Die Zahlen für Eintritte oder Wiederaufnahmen in der katholischen Kirche sind bescheiden. In Regensburg gab es im Jahr 2014 nur 89 Eintritte und 255 Wiederaufnahmen. In Bamberg waren es 54 Eintritte und 123 Wiederaufnahmen, in Eichstätt 40 Eintritte und 65 Wiederaufnahmen. Insgesamt lebten zum Jahresende 6,61 Millionen katholische und knapp 2,46 Millionen evangelische Christen im Freistaat, zusammen etwa 100 000 weniger als 2013. Der Anteil beider Konfessionen an der Bevölkerung liegt bei etwa 72 Prozent.

Von den gut 12,6 Millionen Bayern sind nach wie vor mehr als die Hälfte katholisch, das ist sonst nur noch im Saarland der Fall. Allerdings sind im Gebiet der Erzbistümer Bamberg und München-Freising sowie in der Diözese Eichstätt die Katholiken nicht mehr in der Mehrheit. Bundesweit sank der Anteil der Katholiken erstmals unter 30 Prozent der Bevölkerung, auf 29,5 Prozent (rund 24 Millionen Kirchenmitglieder). 217 716 Menschen verließen 2014 die katholische Kirche. Im Jahr 2013 waren es 178 805 Austritte. Der letzte Negativ-Rekord liegt vier Jahre zurück: Im Jahr 2010 waren es mehr als 180 000 Austritte. Der Hauptanlass waren damals die ersten Berichte über die Fälle von sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch katholische Geistliche. Vergangenes Jahr verzeichnete die katholische Kirche bundesweit 2809 Eintritte und 6314 Wiederaufnahmen.

Menschen nicht erreicht

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Münchener Kardinal Reinhard Marx, sagte, dass "die hohe Zahl von Kirchenaustritten schmerzlich bewusst macht, dass wir Menschen mit unserer Botschaft nicht erreichen". Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer kommentierte die Veröffentlichung der Zahlen nicht.

Die Gesamtzahl der Protestanten nahm laut Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) um mehr als 400 000 ab. Die EKD verzeichnet nun rund 22,63 Millionen Mitglieder.
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