"Neue Dimension ausländerfeindlicher Gewalt"__
Handgranate auf Flüchtlingsheim

Andreas Stenger vom baden-württembergischen Landeskriminalamt zeigt Modelle der Handgranate M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien. Unbekannte hatten eine Handgranate dieser Bauart über den Zaun einer Flüchtlingsunterkunft geworfen. Bild: dpa

Seit Monaten häufen sich in Deutschland Anschläge gegen Flüchtlingsheime. Mit einer Handgranate im Schwarzwald erreicht die Gewalt eine neue Qualität. Eine entscheidende Frage war am Freitag aber offen.

Villingen-Schwenningen. Im Schwarzwald haben Unbekannte eine mit Sprengstoff gefüllte Handgranate auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft geworfen. Das Heim für Asylbewerber im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen wurde in der Nacht zum Freitag angegriffen. Unklar blieb aber zunächst, ob die jugoslawische Granate vom Typ M52 - eine Kriegswaffe - auch scharf war und hätte explodieren können. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.

"Es steht fest, dass sie mit Sprengstoff gefüllt war", sagte Johannes-Georg Roth, Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz. "Ob ein Zünder verbaut war, ist bisher nicht bekannt." Ein Experte des Landeskriminalamtes erklärte, von einer scharfen Granate könne nur gesprochen werden, wenn Sprengstoff und Zünder vorhanden seien. Aus Polizeikreisen hatte es zunächst geheißen, die Granate sei scharf. Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben in alle Richtungen und schließt ein fremdenfeindliches Motiv nicht aus. "Es könnte sowohl gegen Flüchtlinge als auch gegen den Wachdienst gewesen sein", sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Die Granate wurde von Entschärfern kontrolliert gesprengt. In der Unterkunft leben nach Auskunft des Regierungspräsidiums Freiburg 104 Flüchtlinge.

Die Handgranate sei gegen 1.15 Uhr von der Straße aus über den Zaun in eine Zufahrt des Geländes geworfen worden, sagte der Leiter der Sonderkommission "Container", Rolf Straub. Der Sprengkörper sei neben einem Container des Sicherheitsdienstes liegengeblieben, in dem sich nach Auskunft von Klemens Ficht vom Regierungspräsidium Freiburg drei Sicherheitsleute aufhielten. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden sagte: "Dass nun eine Kriegswaffe zum Einsatz gegen eine Flüchtlingsunterkunft kam, ist neu."

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann warnte vor einer Eskalation rechter Kriminalität. "Der Wurf einer Handgranate ist eine neue schreckliche Dimension ausländerfeindlicher Gewalt", sagte der CSU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). "Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen, die bei uns Asyl suchen, Angst vor Gewalt haben müssen oder Opfer von Gewalt werden." (Seite 2)
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