Neue Einheit der Bundeswehr
Im Kampf gegen Bedrohungen aus dem Cyberspace

Auch die Bundeswehr ist ein Hochwertziel für diejenigen, die ihr schaden wollen.

Heer, Marine, Luftwaffe - das sind die klassischen Teilstreitkräfte der Bundeswehr. Jetzt kommt eine Truppe für das virtuelle Schlachtfeld hinzu: Im Kampf gegen Bedrohungen aus dem Internet.

Berlin. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen rüstet die Bundeswehr für Angriffe aus dem Internet. Die CDU-Politikerin kündigte am Dienstag an, eine neue Einheit "Cyber- und Informationsraum" mit 13 500 IT-Spezialisten aufstellen zu wollen. Die Informatiker-Truppe soll noch in diesem Jahr ihre Arbeit aufnehmen und 2021 voll einsatzfähig sein. Damit reagiert von der Leyen auf die zunehmenden Attacken auf die Netze des Bundes. Derzeit sind es rund 6500 pro Tag.

Deutschland hintendran


Viele Länder haben auf solche Bedrohungen bereits militärisch reagiert - die USA bauen schon seit vielen Jahren gezielte Spezialkräfte für den Cyber-Krieg auf. Aber auch Länder wie Israel oder das kleine Estland sind viel weiter als Deutschland. "Auch die Bundeswehr ist ein Hochwertziel für diejenigen, die ihr schaden wollen", sagte von der Leyen. Die Truppe müsse in der Lage sein, sich selber zu schützen und das Land zu verteidigen. Schwerpunkt der neuen Truppe soll auf der Verteidigung liegen. Die Bundeswehr übt allerdings schon seit vielen Jahren auch Cyber-Angriffe. Ein offensiver Einsatz dieser Einheit - etwa das Eindringen in das Datennetz eines Gegners - müsste aber vom Bundestag genehmigt werden.

Sorge um Kontrolle


Linke-Verteidigungsexperte Alexander Neu bezweifelte, dass eine ausreichende parlamentarische Kontrolle möglich ist. "Die Grenzen zwischen Cyber-Abwehr und Cyber-Angriff verschwimmen und sind parlamentarisch nicht wirklich kontrollierbar." Die Grünen warfen von der Leyen vor, die Tür für "überwiegend hochproblematische Formen der Kriegsführung" zu öffnen.

Um Personal für die neue Cyber-Armee zu rekrutieren, will die Ministerin bis zum Jahr 2018 einen Studiengang für 70 Studenten an der Bundeswehr-Universität in München einrichten. Zudem will sie mit einer groß angelegten Kampagne für das "Projekt digitale Kräfte" werben. Dafür sollen 3,6 Millionen Euro ausgegeben werden. Künftig will die Bundeswehr jährlich 800 Zivilisten und 700 Soldaten für den IT-Bereich anwerben. (Kommentar)
Auch die Bundeswehr ist ein Hochwertziel für diejenigen, die ihr schaden wollen.Ursula von der Leyen (CDU), Bundesverteidigungsministerin
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