Neue Studie zum Rechtsextremismus
Aus der Mitte entspringt der Hass

"Die Rechtsextremen haben in der AfD eine Heimat gefunden." Zitat: Oliver Decker, einer der drei Autoren der Studie

Berlin. Die Botschaft klingt bedrohlich: Feindschaft und Vorurteile gegenüber Minderheiten wachsen. Auch Teile aus der Mitte der Gesellschaft bekennen sich zu rechtsextremen Einstellungen. Und viele von ihnen werden radikaler und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. So überschrieben die Leipziger Wissenschaftler ihre am Mittwoch vorgestellte Langzeitstudie denn auch mit dem Titel "Die enthemmte Mitte".

Seit 2002 untersuchen die Autoren Oliver Decker, Johannes Kiess und Elmar Brähler die politischen Einstellungen eines repräsentativen Teils der Bevölkerung. Dabei schauen sie vor allem auf autoritäre und rechtsextreme Positionen. Für die aktuelle, im Frühjahr durchgeführte Studie wurden 2420 Menschen im Alter von 14 bis 93 Jahren befragt. Und die Umfrage belegt, dass viele Rechtsextreme "in der AfD eine neue politische Heimat gefunden haben", so Brähler. Dieser Partei sei es gelungen, die entsprechende Wählerschaft für sich zu mobilisieren. Rund 35 Prozent der Befragten, die rechtsextreme Einstellungen hätten, wählten danach die AfD. Zum Vergleich: 11,3 Prozent dieser Befragten gaben der Union ihre Stimme, 15,1 Prozent der SPD und 3,8 Prozent den Grünen.

Dabei lässt ein weiteres Ergebnis der Studie zunächst anderes vermuten: Denn die Ausländerfeindlichkeit insgesamt habe nicht zugenommen, so die Autoren. Es ergebe sich aber ein anderes Bild, wenn nach einzelnen Gruppen wie etwa nach Muslimen gefragt werde. Danach ist die Zahl der Islamkritiker in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen. So gab jeder zweite Befragte an, sich durch die Muslime manchmal "wie ein Fremder im eigenen Land zu fühlen". Vor zwei Jahren waren es nach der Langzeitstudie noch 43 Prozent und 2009 etwa 32,3 Prozent.

Rund 41,4 Prozent sprechen sich demnach dafür aus, dass Muslimen die Zuwanderung untersagt werden sollte. Vor sieben Jahren stimmte dieser Aussage lediglich jeder Fünfte zu. Bei den AfD-Wählern ist die Zustimmung mit 85,9 Prozent am größten, bei den Grünen mit 24,7 Prozent am geringsten. Auch gegenüber anderen Minderheiten zeigten sich die Befragten deutlich kritischer als in früheren Studien. So stieg die Prozentzahl derjenigen, die Homosexualität für unmoralisch halten, von 15,7 auf 24,8 Prozent. 36,2 Prozent sind laut Studie dafür, dass Ehen zwischen zwei Frauen oder zwei Männern nicht erlaubt sein sollten (2009: 29,4 Prozent). Zugleich belege die Studie, dass es in Teilen der Gesellschaft eine zunehmende Bereitschaft zur Gewalt gebe. Auch gebe es mehr Menschen, die Vorurteile gegenüber Sinti und Roma haben und glauben, dass diese zur Kriminalität neigen (2014: 44,2 Prozent; 2016: 58,5 Prozent).

Und noch etwas zeigt die Studie: So sind es bei den Ostdeutschen eher die Jüngeren, die rechtsextreme Einstellungen haben und auch bereit zu Gewalt seien, während es bei den Westdeutschen eher die Älteren sind.

Die Rechtsextremen haben in der AfD eine Heimat gefunden.Oliver Decker, einer der drei Autoren der Studie
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