Neuer Nato-Oberbefehlshaber
Scaparrotti löst Breedlove ab

Der neue Befehlshaber für die US- und Nato-Truppen in Europa, General Curtis Scaparrotti, spricht in den Patch Barracks in Stuttgart (Baden-Württemberg) während des Kommandowechsels beim Europakommando der US-Streitkräfte (EUCOM) in Stuttgart. Bild: dpa
 
US-Verteidigungsminister, Ashton Carter (links), übergibt General Curtis M. Scaparrotti die Flagge.
Stuttgart: Patch Barracks |

Stuttgart. (dpa/paa) Er ist ein eher leiser Mann mit festem Willen. Curtis Scaparrotti, hoch dekorierter Vier-Sterne-General, übernimmt eine der wichtigsten militärischen Positionen der USA. Als oberster Befehlshaber der US-Streitkräfte in Europa (EUCOM) und der Nato (SACEUR) folgt Scaparrotti auf Philip M. Breedlove. Zur Übergabezeremonie beim US-Europakommando in Stuttgart am Dienstag reiste US-Verteidigungsminister Ashton Carter an. Eine weitere Zeremonie ist für diesen Mittwoch im militärischen Nato-Hauptquartier im belgischen Mons geplant.

Curtis Michael "Mike" Scaparrotti (60) könnte in Europa kaum eine komplexere Ausgangslage vorfinden. Groß die Spannungen mit Russland, brisant die Folgen der Flüchtlingskrise, die Nato richtet sich gen Osten aus, Truppen werden an ihre Ostflanke verlegt, mehr Manöver werden abgehalten, der Aufbau eines Raketenabwehrsystems steht an.

Aus Korea weggeholt


Seit Oktober 2013 führte Scaparrotti das US-Kommando in Südkorea. Eine Position, so heißt es in Washington, die ihn wie kaum eine andere für Europa qualifiziere. Wirksame Abschreckung, rasche Einsatzfähigkeit, die enge Zusammenarbeit aller Verbündeter, der Umgang mit Provokationen, eine nahe Atommacht, im Ernstfall der Verteidigungsfall - ein Training im Mikrokosmos sei das gewesen. Allerdings ist das europäische Operationsgebiet allein wegen der 28 Alliierten ungleich komplexer und vielschichtiger.

Dass Scaparrotti nun von der weder politisch noch militärisch ruhigen koreanischen Halbinsel weggeholt wird, spricht nicht für ein friedliches Lagebild, das die USA von Europa haben. Eine Stärkung der Allianz, Herstellung und Erhalt sofortiger Kampfbereitschaft, so werden die wichtigsten Ziele beschrieben.


"Er hat in multinationalen Einsätzen in Korea und Afghanistan sehr viel Erfahrung gesammelt. Er ist größte Herausforderungen gewohnt." Generalleutnant Frederick "Ben" Hodges, Oberkommandierender des US-Heeres, über seinen neuen Chef in Stuttgart, General Curtis M. Scaparrotti


Nach verschiedenen Stationen kommandierte Scaparrotti das Kadettencorps in der Militärakademie West Point und war Kommandant in der berühmten 82. Airborne Division. Bevor er nach Korea ging, war er unter anderem ISAF-Kommandeur in Afghanistan (2011-2012 ).

"Er hat in multinationalen Einsätzen in Korea und Afghanistan sehr viel Erfahrung gesammelt. Er ist größte Herausforderungen gewohnt", sagte Generalleutnant Frederick "Ben" Hodges, Oberkommandierender des US-Heeres, über seinen neuen Chef in Stuttgart. Carter würdigte bei der Übergabezeremonie die Einsatzerfahrung Scaparrottis, aber auch seine diplomatischen Fähigkeiten und seinen Einfallsreichtum in Krisensituationen.

Zu EUCOM gehören 72 000 Soldaten


Als größte Schwäche in Scapparottis als vergleichsweise unauffällig beschriebenem Werdegang gilt seine mangelnde Erfahrung mit schwer gepanzerten Einheiten, die in Europa eine ungleich größere Rolle als in Korea spielen. Unter dem Kommando von EUCOM stehen 72 000 Soldaten.

"Scapo ist ein ungewöhnlich leise auftretender, nachdenklicher und gebildeter General."Der pensionierte Generalleutnant Guy C. Swan, ehemaliger Kommandeur des Gemeinsamen Multinationalen Trainingskommandos (JMTC) in Grafenwöhr und langjähriger Kamerad von General Curtis M. Scaparrotti


Ein Scharfmacher ist Scaparrotti nicht. Vorgänger Breedlove neigte zum Markigen, sein Nachfolger nicht. Der inzwischen pensionierte Generalleutnant Guy C. Swan, ehemaliger Kommandeur des Gemeinsamen Multinationalen Trainingskommandos (JMTC) in Grafenwöhr und langjähriger Kamerad Scaparrottis, sagt: "Scapo ist ein ungewöhnlich leise auftretender, nachdenklicher und gebildeter General." Scaparrotti ist verheiratet, das Ehepaar hat zwei Kinder.

Im Pentagon ist Scaparrotti seit Jahren eine feste Größe. Als Direktor des Vereinigten Generalstabs der Streitkräfte hatte er permanenten Kontakt mit der zivilen und militärischen Führung des Hauses. Wegbegleiter Swan: "Das ist eine der Königsmacher-Positionen. Dort werden künftige Anführer identifiziert."

Rote Linie gezogen


Im Kongress wurde Scaparrotti zu jüngsten gefährlichen russischen Flugmanövern in der Ostsee befragt. Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses John McCain: "Wie sollten wir auf diese krasse Verletzung internationalen Rechts antworten?" Die Antwort war eindeutig. Die Russen müssten mit angemessenen Reaktionen rechnen, wenn sie das Leben von US-Soldaten gefährdeten. Das kann als Beginn einer roten Linie verstanden werden, die Scaparrotti vor dem Hintergrund der wiederholten Manöver zieht.
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