Neues Buch von Kardinal Gerhard Ludwig Müller
"Gutes und Böses beim Namen nennen"

Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Archivbild: dpa

Rom/Regensburg. (KNA) Barmherzigkeit bedeutet nach den Worten des deutschen Kurienkardinals Gerhard Ludwig Müller nicht Verzicht auf die Gebote Gottes. Sie sei keine Rechtfertigung, diese Gebote zu suspendieren oder abzuschwächen, betonte der Präfekt der Glaubenskongregation in einem Interviewbuch des spanischen Journalisten Carlos Granados. Vielmehr habe die Kirche das Recht und die Pflicht, Gutes und Böses beim Namen zu nennen. Der schlimmste Skandal für die Kirche wäre nicht, dass es in ihr Sünder gebe, sondern wenn sie aufhörte, Gutes und Böses beim Namen zu nennen und zu relativieren, betonte der frühere Regensburger Bischof.

Keine Frauen als Priester


Ausdrücklich bekräftigt Müller in dem Buch das Nein der katholischen Kirche zu einer Priesterweihe von Frau. Dabei handele es sich nicht um ein eine disziplinäre Frage, die man ändern könne, sondern um eine bereits entschiedene dogmatische Frage. Vorschläge mit dem simplem Kalkül, auf diese Weise ließe sich das Problem des Priestermangels lösen, oder damit gäbe sich die Kirche ein moderneres Image, seien nicht seriös, so der Kardinal.

In dem 260-seitigen Buch mit dem Titel "Informe sobre la esperanza" (Bericht über die Hoffnung) wendet sich Müller gegen eine Reduzierung der christlichen Botschaft auf eine subjektive Auswahl von solchen Aussagen oder Gleichnissen, die gerade angenehm seien. Ausdrücklich lehnt er eine Missdeutung des Papst-Wortes ab: "Wer bin ich, ihn zu verurteilen" - im Zusammenhang mit der Sexualmoral. Franziskus habe damit seinen Respekt vor der Würde der menschlichen Person bekundet. Aus dem Menschenbild der Bibel ergäben sich "einige unumgängliche moralische Ansprüche, aber gleichzeitig auch ein unbedingter Respekt gegenüber einer homosexuellen Person".

Ein geordnetes Leben


Weiter warnt Müller vor einer Missdeutung der Papst-Äußerung, die Eucharistie sei "keine Belohnung der Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel für die Schwachen". Der Empfang der Kommunion setze den Stand der Gnade, die Gemeinschaft in der Kirche und auch ein geordnetes Leben innerhalb der Kirche voraus.

Bekehrung sei nicht nur eine Gnade Gottes, sondern setze stets auch die Entscheidung des Menschen voraus, so Müller. Vergebung sei kein automatischer Mechanismus, auf den man Anspruch habe, sondern hänge auch vom Menschen ab, der sie erbitten und umsetzen müsse. Das Buch mit den Aussagen den Kardinals soll demnächst auch auf Deutsch erscheinen.
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