Nigeria: Boko Haram entführt erneut Hunderte - Am Samstag Parlamentswahlen
Frauen und Kinder verschleppt

Immer wieder fordern Nigerianer die Freilassung der 270 Mädchen, die vor einem Jahr von Boko Haram entführt worden waren. Bild: dpa
Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat im Nordosten Nigerias nach Angaben eines Beamten bis zu 350 Frauen und Kinder entführt. Die sunnitischen Kämpfer nahmen im Ort Damasak nahe der Grenze zum Niger alle als Geiseln, die nicht geflohen waren, wie der Beamte Usmanu Yusuf am Dienstagabend telefonisch aus der Stadt Maiduguri mitteilte. Womöglich handelte es sich um einen Racheakt, da Damasak erst vergangene Woche von den Armeen des Nigers und des Tschads zurückerobert worden war.

Der nigerianische Regierungssprecher Mike Omeri sagte am Mittwoch, die sunnitischen Fundamentalisten hätten vor der Rückeroberung des Ortes Damasak letzte Woche durch das Militär zahlreiche Menschen entführt. Die britische BBC berichtete unter Berufung auf einen Dorfbewohner, dass bis zu 500 Frauen und Kinder entführt worden seien.

Auch ein Soldat der Armee des Niger, der derzeit in Damasak stationiert ist, sagte am Mittwoch, dass die verbliebenen Anwohner von bis zu 500 Entführten sprächen. Der Beamte in der Hauptstadt des Bundesstaats Borno wiederum sagte, er sei informiert worden, dass rund 350 Frauen und Kinder verschleppt worden seien. Der Ort sei von keiner Armee verteidigt worden, sagte Yusuf.

Der Angriff auf Damasak kam nur wenige Tage vor der Präsidentenwahl in Nigeria am Samstag. Die sunnitischen Boko-Haram-Fundamentalisten haben bereits in der Vergangenheit Massenentführungen verübt. So verschleppten sie vor knapp einem Jahr mehr als 270 überwiegend christliche Schülerinnen. Von ihnen fehlt weiter jede Spur.

Die Terrormiliz zwingt ihre Geiseln, zum Islam zu konvertieren, versklavt sie oder verheiratet sie zwangsweise. Boko Haram terrorisiert seit 2009 den Nordosten Nigerias. Es starben mindesten 13 000 Menschen, rund 1,5 Millionen Menschen sind geflohen.
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