Nordkorea testet nach eigenen Angaben erstmals Wasserstoffbombe
Kim Jong Un lässt die Muskeln spielen

Das von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichte Bild zeigt Machthaber Kim Jong Un, wie er angeblich die Anordnung für den Test einer Wasserstoffbombe unterzeichnet. Bild: KCNA/dpa

Seoul. Nordkorea feiert es als Meilenstein seiner Atomwaffenentwicklung, für den Rest der Welt ist es ein Schock. Am Mittwoch vermeldeten die Staatsmedien, Nordkorea habe erstmals eine Wasserstoffbombe getestet - eine Waffe, die schwieriger zu bauen ist als eine herkömmliche Atombombe, aber deren Sprengkraft um das Vielfache übersteigt. Besonders für Südkorea und China ist der neue Atomtest ein Affront des jungen Diktators Kim Jong Un. Zuletzt glaubte man, jeder auf seine Weise, im neuen Jahr eine Annäherung an das international isolierte, stalinistische Regime erzielen zu können.

Ob es sich nach den drei früheren Atomtests diesmal nun wirklich um eine voll entwickelte Wasserstoffbombe gehandelt hat, wird in Südkorea und von Experten zwar stark bezweifelt. Doch hegt niemand Zweifel an der Entschlossenheit Pjöngjangs, sein Ziel erreichen zu wollen, eine Atomstreitmacht als Abschreckung aufzubauen.

Angebliche Bedrohung


Die nukleare Aufrüstung rechtfertigt die Diktatur mit einer angeblichen Bedrohung durch die USA. Mit den Tests verletzt Nordkorea aus der Sicht seiner Nachbarn Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Die Hoffnungen Südkoreas, die "teuflische Spirale" von Provokationen, Drohungen und anschließenden Wiederannäherungen beenden zu können, erhalten durch den Test einen Dämpfer.

"Die Nordkoreaner sollten eigentlich genau wissen, was auf sie zukommen wird", sagt der Leiter des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul, Lars-Andre Richter. Besonders für die innerkoreanischen Beziehungen bedeute der neue Test "zwei Schritte zurück". Noch im August hatten beide Länder ein Abkommen über eine vorsichtige Annäherung beschlossen. Da sei man wohl zu gutgläubig gewesen, bilanziert Richter. Nordkorea hatte allerdings mehrmals mit einem neuen Atomtest gedroht. Immer wieder warnten auch Militärs und der Geheimdienst in Südkorea, dass das Nachbarland das Atomtestgelände Punggye Ri ausbaue und jederzeit einen neuen nuklearen Sprengsatz zünden könne.

Bald neuer Raketentest?


Auch ist das Land schon lange dabei, seine Atom- und Raketenprogramme zu synchronisieren. Ein Raketentest in naher Zukunft wird daher jetzt nicht ausgeschlossen. "Ich bin nicht sehr überrascht von dem Test", sagt dann auch der Forscher Park Hyeong Jung vom staatlichen Koreanischen Institut für Nationale Vereinigung in Seoul. Der erste Grund für den neuen Test sei es, die Fähigkeiten zum Bau von Atombomben zu verbessern. Ein anderer Grund sei, dass Kim Jong Un seine Stellung weiter stabilisieren wolle. Ähnlich sieht das der Vorsitzende der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe, Hartmut Koschyk (CSU): "Er (Kim) muss sich gegenüber dem militärischen Komplex beweisen."

Besonders für Peking ist die Enttäuschung groß, dass Kim seine Warnungen vor einem neuen Atomversuch in den Wind geschlagen hat. Nach einer Eiszeit hatte Chinas Führung im Oktober ein Politbüromitglied als Ehrengast zur Militärparade zum 70. Gründungstag der nordkoreanischen Arbeiterpartei nach Pjöngjang geschickt und damit ein Tauwetter in den Beziehungen eingeleitet. Die Expertin Yu Yingli vom Institut für Internationale Studien in Shanghai prognostiziert, das sich die Beziehungen zwischen China und Nordkorea wieder verschlechtern.
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