Nordkorea zündet erneut Atombombe
Kim macht Bumm

Die seismischen Ausschläge des Atomtests wurden auch von den Tsunami-Forschern in Japan gemessen. Nordkoreas Zündung eines Atomsprengkopfs erschütterte abermals die politische Landschaft. Bild: dpa

Südkorea prophezeit dem kommunistischen Nordkorea, sich der Selbstzerstörung zu nähern. Doch Machthaber Kim Jong Un ist entschlossen, aus Nordkorea eine Atommacht zu machen. Können Sanktionen noch etwas bewirken?

Seoul. Scheinbar unaufhaltsam schreitet Nordkorea seinem großen Ziel entgegen, eine Atommacht zu werden. Davon lässt sich der junge Machthaber Kim Jong Un bisher weder durch die wirtschaftlichen Problemen im eigenen Land noch durch internationale Sanktionen abbringen. Für das kommunistische Regime bedeutet der fünfte Atomtest des Landes, den Pjöngjang am Freitag vermeldete, einen weiteren technischen Fortschritt bei der Entwicklung von Atomwaffen. Für den Rest der Welt läuft er auf einen großen Rückschritt bei den Bemühungen um eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel hinaus. "Er (Kim) will so weit wie möglich der Welt zeigen, dass Nordkorea eine wirkliche Nuklearmacht ist," sagt ein Beobachter.

Südkorea und die USA befürchten, dass Nordkorea mit jedem Atomtest und mit erfolgreichen Tests ballistischer Raketen seinen Zielen näher kommt. Eines davon ist, passende Sprengköpfe für Raketen zu bauen, die bis zum US-Festland fliegen können. Aufmerksam registriert Südkoreas Militär das Geschehen im Nachbarland. Der Atomtest am Freitag fand demnach im Nordosten des Landes statt, wo es zwischen 2016 und Anfang dieses Jahres schon vier Nuklearversuche gegeben hatte. Der jetzige Versuch habe die bisher stärkste Sprengkraft aller bisherigen Tests entfaltet, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul mit.

Raketen getestet


Trotz aller Verbote und Mahnungen der Vereinten Nationen ließ Kim in diesem Jahr bereits eine Reihe von ballistischen Raketen testen. Mit strategischen Waffen in der Hand wähnt sich das Regime, das den USA eine feindselige Politik unterstellt, unangreifbar. Nordkoreas Institut für Nuklearwaffen erklärte, der Test am Freitag habe die "Struktur und spezifischen Bewegungsmerkmale eines standardisierten nuklearen Sprengkopfes" bestätigt. Das heiße, Nordkorea sei jetzt in der Lage, beliebig viele solcher Sprengköpfe für Raketen herzustellen. Bisher bezweifeln Experten in den USA und Südkorea jedoch, dass Nordkorea bereits so weit ist.

Über Art und Umfang des Atomwaffenarsenals Nordkoreas gibt es wenig Gesichertes. Der Bestand - mit Stand August 2016 - werde auf sechs bis acht Sprengkörper auf Plutonium-Basis geschätzt, schreibt die Gruppe Arms Control Association (Rüstungskontrollvereinigung) in den USA. Durch die Produktion von hoch angereichertem Uran, was im Fall Nordkoreas jedoch unklar ist, könnte Nordkorea Material für weitere vier bis acht Bomben haben.

Weitere Sanktionen?


Pjöngjang droht jetzt erneut eine Verschärfung der internationalen Sanktionen. Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye prophezeite dem Regime nach dem jüngsten Test, dass es sich mit seiner Atompolitik nur der Selbstzerstörung nähere. Doch wie weit die Sanktionen noch gehen können, ist unklar. Nordkorea ist bereits von den wichtigsten Handelsströmen der Welt abgeschnitten. China, auf das der Großteil des nordkoreanischen Außenhandels entfällt, hatte nach dem Atomtest im Januar beschränkte Handelssanktionen gegen den Nachbarn verhängt.

China verurteilte den neuen Atomversuch Nordkoreas als "rücksichtslosen Akt". Ob Peking allerdings seinen deutlichen Worten energische Taten folgen lässt, ist unwahrscheinlich. Zum einen ist Pekings Einfluss begrenzt - zum anderen macht die Führung in Peking auch die USA und Südkorea für die Eskalation verantwortlich. Washington und Seoul hätten "Öl ins Feuer gegossen", indem sie das moderne US-Raketenabwehrsystem THAAD stationieren wollten. Peking fürchtet nichts mehr als einen Kollaps des nordkoreanischen Regimes, der in einer Wiedervereinigung unter einer Schutzmacht USA münden könnte.
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