Notstandsbeschluss
Österreich verschärft Asylrecht

Wien. Österreich kann in der Flüchtlingskrise künftig einen "Notstand" ausrufen. Als Folge hätten Schutzsuchende kaum mehr eine Chance auf Asyl. Das ist die Konsequenz der Novellierung des Asylrechts, die das österreichische Parlament am Mittwoch mit deutlicher Mehrheit beschlossen hat. Der "Notstand" wird definiert als "Gefährdung der öffentlichen Ordnung und inneren Sicherheit". Ein entsprechender Beschluss der Regierung muss vom Parlament erneut gebilligt werden.

In diesem Fall würden nur noch Asylanträge von bestimmten Flüchtlingen angenommen. Dazu gehören Menschen, die in Österreich enge Verwandte haben, unbegleitete Minderjährige und Frauen mit Kleinkindern. Alle anderen würden in die Nachbarländer zurückgeschoben. Ein "Notstand" ist zunächst auf sechs Monate begrenzt, kann aber auf bis zu zwei Jahre verlängert werden. Die Alpenrepublik will im laufenden Jahr nur noch höchsten 37 500 Asylbewerber aufnehmen. Bisher liegen 18 000 Anträge vor.

Die Grünen kritisierten die Novelle scharf. "Damit wird das Asylrecht komplett ausgehebelt", sagte Parteichefin Eva Glawischnig. Die Rechtsstaatlichkeit werde ausgehöhlt. Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) rechtfertigte den Schritt. "Die Kapazitätsgrenze orientiert sich an den Österreicherinnen und Österreichern."

Die heftig umstrittene Novelle sieht unabhängig von einem "Notstand" außerdem vor, dass Schutz künftig nur noch für eine Frist von drei Jahren gewährt werden soll. Danach werden die Asylgründe überprüft. Auch der Familiennachzug, speziell für subsidiär Schutzberechtigte, wird erschwert. Zudem wird die Bearbeitungszeit für Asylanträge von sechs auf 15 Monaten erhöht.
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