Obama: Das war nicht mein letzter Besuch
Eine "wunderbare Freundin"

Obama ruft die Deutschen zur Wahrung ihrer Stärke auf. Dazu gehört für ihn die Kanzlerin - auch nach der Wahl im nächsten Jahr. Merkel will jetzt nach vorn gucken. Das hört sich nach einer Kandidatur an.

Von Kristina Dunz, dpa

Berlin. Barack Obama will sich ja nicht in die Bundestagswahl in Deutschland einmischen - tut es aber trotzdem. Er beschreibt Angela Merkel am Donnerstag in Berlin wieder als eine herausragende, verlässliche und berechenbare Kanzlerin, als "wunderbare Freundin". Wäre er Deutscher, würde er die Kanzlerin jedenfalls wählen. Das darf man als Empfehlung werten: "Wählt Merkel, da wisst Ihr, was Ihr habt." Worte des scheidenden US-Präsidenten, der gerade versucht, den Wechsel zu einem so viel aggressiveren Donald Trump zu organisieren. Ein schwieriger Besuch - für Gast und Gastgeberin. Ihr Gespräch wird zu einer Mischung aus Abschiedsschmerz und harter Arbeit.

Merkel sagt nach acht Jahren eines vom Demokraten Obama geprägten deutsch-amerikanischen Verhältnisses: "Natürlich, jetzt fällt mir der Abschied schwer." Aber in den USA sei die zeitliche Begrenzung des Präsidentenamtes eben hart vorgegeben. Ihre Aufgabe sei es jetzt, nach vorn zu gucken. Das klingt nach einer vierten Kanzlerkandidatur. Sie sagt es aber nicht.

Sie werde alles daran setzen, auch mit dem neuen Präsidenten gut zusammenzuarbeiten. Da ist Merkel ganz Profi, versäumt aber nicht zu betonen, dass die "gemeinsame Plattform eine offene und liberale Weltordnung" sei. Merkel und Obama deklinieren noch einmal alle Konflikte der Welt durch: Syrien-Krieg, die Terrormiliz Islamischer Staat, Ukraine-Konflikt, Spannungen mit Russland, Stillstand beim TTIP-Freihandelsabkommen zwischen EU und USA. Dabei wäre TTIP Obama zufolge eine "Win-Win-Situation".

Das Klimaabkommen und, und, und. Merkel betont, wie wichtig grundsätzlich die Zusammenarbeit der Nachrichtendienste Deutschlands und der USA sei. Deutschland sei zwar seit der Wiedervereinigung sehr viel stärker geworden, aber eben nur ein Volk von 80 Millionen Menschen und insofern "schicksalsgebunden an Bündnisse", um die "Ordnung, die wir lieben, weltweit aufrecht zu halten".

Obama zeigt sich bei aller Sorge demonstrativ vorsichtig optimistisch, dass sein designierter Nachfolger Trump verstehen werde, dass er sich als Präsident anders verhalten müsse als im Wahlkampf. "Wer in diesem Amt nicht seriös ist, der hat es vermutlich nicht lange", sagt er. Der Wahlkampf habe zum "größten politischen Umbruch" geführt. Der US-Präsident brauche jetzt viele Helfer. Die ganze Welt habe Erwartungen an die USA.

"Hart - und zäh"


Obama sagt, es werde nicht sein letzter Besuch in Berlin gewesen sein. Er sei ja auch immer noch nicht beim Münchner Oktoberfest gewesen. Das mache er lieber privat. Und Merkel betont, in Deutschland bestehe freier Reiseverkehr. "Insofern sind wir nicht aus der Welt." Und zum Schluss legt Obama noch einmal nach: Als er 2008 ins Amt gekommen sei, habe er noch keine grauen Haare gehabt. Und Merkel sei als Regierungschefin schon dagewesen. Insofern seien sie "Veteranen". Wenn Merkel bereit zu einer erneuten Kandidatur sei, werde sie eine große Verantwortung für die Welt haben. "Sie ist eine harte Frau - und zäh."
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