Obama in Hannover
Abschiedsbesuch in Deutschland

Die Hannover-Messe verteilte Erdnussriegel mit der Aufschrift "First peanuts, then Obama (erst Erdnüsse, dann Obama". Bild: dpa

Barack Obama liebt seinen Job - und er schätzt Angela Merkel. Beinahe hört sich seine Lobrede auf die Kanzlerin wie eine Liebeserklärung an. Seine Botschaft zum Abschied als Präsident: Europa braucht sie.

Hannover. Mehr geht nicht. Barack Obama macht Angela Merkel bei seinem letzten Auftritt als US-Präsident in Deutschland so etwas wie eine politische Liebeserklärung. "Es ist die wichtigste Beziehung, die wichtigste Freundschaft, die ich in meiner Amtszeit hatte." In der Flüchtlingspolitik sei sie auf der richtigen Seite der Geschichte, sagt Obama. Er sei froh, dass Merkel noch Kanzlerin sei, wenn er nicht mehr Präsident ist: "Die Welt wird davon profitieren, von ihrer sehr steten und konsequenten Präsenz. Und: "Sie tut, was sie verspricht." Er werde sie als Privatmensch weiter bewundern.

Es klingt wie ein Vermächtnis nicht nur an Deutschland, sondern an ganz Europa. Es ist ein Treffen in schwieriger Zeit. Obama ist zwar 2016 immer auch auf Abschiedstournee, kommt aber aus gutem Grund auch nach Deutschland. Mehr und mehr sei die US-Regierung von der Sorge getrieben, Europa wanke im Angesicht der Probleme vom Ukraine-Konflikt bis zur Flüchtlingskrise, ist aus seinem Umfeld zu hören.

Ein schwaches, uneiniges Europa vor den Türen Russlands? Das können die USA nicht brauchen. Wen sollte Obama also sonst treffen, wenn nicht Angela Merkel? "Wir schätzen außerordentlich, dass sie so eine feste Hand gehabt hat in ihrer Politik", sagt der US-Präsident. Merkel revanchiert sich eher spärlich. "Unsere bilateralen Beziehungen sind gut, da brauchen wir nicht viel Zeit drauf zu verwenden." Auch die Deutschen schätzen Obama.

Fast zwei Drittel der Deutschen (62 Prozent) bedauern es, dass Obama nicht ein drittes Mal für das US-Präsidentenamt antreten darf. Nicht schade finden dies 34 Prozent, ergab eine Emnid-Umfrage. Eine Mehrheit von 51 Prozent hält es zudem für gerechtfertigt, dass Obama 2009 den Friedensnobelpreis erhalten hat.

Viele hätten sich auch gefreut, wenn First Lady Michelle Obama am Sonntag ebenfalls in Hannover gelandet wäre - aber der US-Präsident kam alleine. Die First Lady war am Freitag mit in London gewesen, das Paar hatte mit Queen Elizabeth II. zu Mittag gegessen. Am Abend gab es noch ein Dinner mit Prinz William und Frau Kate. Doch am Samstag hielt Michelle Obama bereits an der Jackson State University in Mississippi eine viel beachtete Rede.

VW geben Obama und Merkel einen Korb: Der mächtigste Mann der Welt und die mächtigste Frau der Welt werden heute nach dpa-Informationen dem Stand des größten europäischen Autobauers bei ihrem Rundgang auf der Hannover Messe keinen Besuch abstatten. Obama und Merkel wollen nach der bisherigen Planungen nur die Hallen 3, 9 und 11 besuchen - der Stand von Volkswagen ist jedoch in Halle 15.

Begründungen für die VW-freie Routenplanung gibt es keine. Allerdings ist das Verhältnis der Wolfsburger zu den USA wegen des Abgas-Skandals sehr angespannt und Obama dürfte in der juristisch aufgeladenen Situation jegliche Symbolik vermeiden wollen.

Herrenhäuser GärtenZum Auftakt seines Hannover-Besuchs ist US-Präsident Barack Obama am Sonntag in den Herrenhäuser Gärten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammengetroffen. Auch der Mini-Gipfel zum Abschluss mit den Staats- und Regierungschefs aus Paris, London und Rom ist an diesem Montag dort geplant. Mehr als eine halbe Million Besucher treibt es jährlich in Hannovers Touristenattraktion Nummer eins. Die berühmte Barockanlage entstand bis zum Jahr 1714 in ihrer heutigen Form und Größe. Sie ist Bühne für Kulturveranstaltungen und einen internationalen Feuerwerkwettbewerb. Das in den Herrenhäuser Gärten gelegene Sommerschloss der Welfenfamilie wurde im Jahr 1943 im Krieg zerstört und nach einem Wiederaufbau als Tagungszentrum 2013 wiedereröffnet. (dpa)
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