Obama wirft Hagel raus

Erst vor wenigen Tagen besuchte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel das "National Training Center" in Fort Irwin in Kalifornien, einem Pendant zum US-Gefechtszentrum (JMRC) in Hohenfels (Kreis Neumarkt). Am Montag reichte der Pentagonchef nach nur zwei Jahren im Amt auf Druck von Präsident Barack Obama sein Rücktrittsgesuch ein Bild: US-Verteidigungsministerium/Sean Hurt

Zwischen beiden Männern kriselte es seit Wochen. Jetzt lässt Barack Obama seinen politischen Freund und langjährigen Vertrauten Chuck Hagel fallen. Der Verteidigungsminister muss gehen - mitten im Krieg gegen die Terrormiliz IS.

Die Inszenierung wirkt ziemlich schräg. Präsident Barack Obama hat an diesem Montag nur warme Worte für seinen geschassten Verteidigungsminister. Großartig sei Chuck Hagel im Amt gewesen, eine echte Stütze, ein großer Freund. Am Ende umarmen sich die Männer. Die Kameras blitzen, nur Fragen sind nicht gestattet. Doch die Kernfrage lautet: Warum musste Hagel denn gehen, wenn alles so perfekt war?

Ein Rücktritt mitten im Krieg, im Krieg gegen die Terrormilizen Islamischer Staat (IS), mitten im Truppenabzug aus Afghanistan - es muss schon allerhand vorgefallen sein, dass Obama und Hagel sich in dieser Situation trennen. Dabei war Hagels Ernennung Anfang 2013 ein genialer Coup des Präsidenten. Ein Republikaner, ein Vietnamveteran, der zum Irak-Kriegsgegner wurde. Ein Mann, geradezu ideal, um den endgültigen Truppenabzug aus dem Irak und aus Afghanistan zu erreichen.

Sorge um politisches Erbe

Nicht erst seit den verlorenen Kongresswahlen steht der US-Präsident unter Druck. Seit mehr als drei Monaten fliegen US-Jets in Syrien und im Irak Angriffe auf die IS-Miliz. Zwar meinte Hagel neulich, es gebe erste Erfolge - doch er musste auch zugeben, dass die Dynamik der IS längst nicht gebrochen ist. "Es wird Rückschläge geben", sagte Hagel. Der Kampf werde lange dauern - nach einem zuversichtlichen, zupackenden Kriegsherrn sah das nicht aus.

Obama weiß, dass in Syrien und im Irak für ihn alles auf dem Spiel steht: Es geht um sein Erbe, seinen Platz in den Geschichtsbüchern. Obama war mit dem Versprechen angetreten, die beiden Kriege im Irak und Afghanistan zu beenden. Lange Zeit sah es so aus, als werde ihm das gelingen.

Doch die IS haben ihn auf dem falschen Fuß erwischt, offenbar hatte Obama sich die Lage lange schön geredet, die Gefahr nicht sehen wollen. Und es war Hagel, der bereits vor geraumer Zeit intern auf die Gefahr hinwies. Öffentlich nannte er im Sommer die IS vor laufenden Kameras eine "unmittelbar Gefahr für alle unsere Interessen". Obama hatte zuvor noch geringschätzig von einer "Junior-Collegemannschaft" gesprochen. Doch will Obama wie gewünscht als Friedensbringer in die Geschichte eingehen, muss er jetzt die Terrormilizen zumindest entscheidend zurückdrängen, schwächen - wenn nicht vernichten.

Ob Hagel dafür der rechte Mann ist, ist fraglich. Das Problem: Obama hat nicht mehr viel Zeit. Spätestens im Sommer beginnt der Präsidentschaftswahlkampf für 2016. Will Obama, der vermeintliche "Friedensbringer" dann als Kriegsherr dastehen?

Streit über Syrien-Strategie

Hinzu kommt ein Streit in Sachen Syrien-Strategie: Immer heftiger wird im Weißen Haus diskutiert, ob der Kampf nur gegen die IS geführt werden soll - oder auch gegen das Assad-Regime. Der Bürgerkrieg ist Obamas zweite offene Flanke. Auch hier war Hagel nicht besonders hilfreich. "Wir können unsere Ziele in Syrien nicht mit einem Mal erreichen," sagte er jüngst. Das klang eher hilflos.
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