Obamas Agenda für den Vorruhestand

Bis für Obama 2017 in 1600 Pennsylvania Avenue der Hammer fällt, ist noch Zeit. Aber als US-Präsident beginnt man rechtzeitig, an die Zeit nach dem Job zu denken. Obama tut das mit der ihm eigenen Disziplin. Vorbereitung ist alles.

Öffentlich macht das Weiße Haus natürlich nicht zum Thema, was der US-Präsident nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit im Januar 2017 zu tun gedenkt. Aber während sich die Republikaner im Vorwahlkampf nach Kräften mit einem bärenstarken Donald Trump abmühen, werden erste Umrisse von Obamas Zeit danach sichtbar. Wenn er 2017 geht, ist er 56 - zwar ergraut, aber doch ein ziemlich junger Ex. So gerne (und passabel) er Golf spielt - das alleine wird nicht reichen.

Penible Vorbereitung

"Was Obama sicher will, ist seinen Job zu Ende zu bringen. Und zwar komplett." So zitiert die "New York Times" eine der engsten Vertrauten im Weißen Haus, Valerie Jarrett. Der Mann bereite sich auf die Zeit als Ehemaliger mit der gleichen Akribie und Disziplin vor, mit der er 2008 ins Amt gekommen sei. Zu seiner Vorbereitung gehören Dinner, bei denen er sich von hochkarätigen Gästen (Toni Morrison, Eva Longoria, Malcolm Gladwell), der First Lady und Topberatern Input holt für die "postpräsidentielle Infrastuktur". Angeblich hilft auch Steven Spielberg dem Präsidenten dabei, für dessen Zeit danach eine Geschichte zu entwickeln, eine Art erzählerischen Überbau.

Die Umrisse: Für eine Reform des Strafvollzugs könne Obama sich einsetzen, dafür spreche sein jüngster Besuch eines Gefängnisses. Außerdem, siehe seine historische Rede bei einer Trauerfeier in Charleston, um die Gleichheit von Schwarzen und Weißen. Klimaschutz, das Gesundheitssystem, Einkommensgerechtigkeit - all dies könnte integraler Bestandteil von Obamas Leben bleiben.

Die neue Zeit zu gestalten, wird nicht billig. Im Kern geht es vor allem um zwei Projekte: eine Bibliothek und eine Stiftung. Nötig seien dafür, zitiert die "New York Times" Obamas Berater, Spenden in Höhe von einer Milliarde Dollar. Obama solle sich ja hüten, den gleichen Fehler zu machen wie Vorgänger Bill Clinton. Der habe als Präsident einfach zu wenig Geld für die Zeit nach dem Ausscheiden klargemacht, so dass der Ärmste gezwungen sei, Jahr für Jahr neue Spenden für seine Bibliothek in Little Rock/Arkansas einzusammeln.

Obama, so heißt es, plane eine Bibliothek vor allem digitaler Inhalte, und die Stiftung solle "weltweiten Einfluss" haben. Nun gehören Stiftungen und Bibliotheken zum Standard, ebenso fürstlich dotierte Vortragsreisen. Etwas konkreter wird Marty Nesbitt, ein enger Freund Obamas und künftig wohl im Herzen des Nach-Präsidenten-Unterfangens beschäftigt, im Interview mit "Politico".

Nicht nach Chicago

Beheimatet sein wird die Bibliothek in Chicago, Obamas politischer Wiege. Der Ort wird ein Hybrid sein: Bibliothek, Museum, Archiv, Sitz der Stiftung und eine Art intellektueller Leitstand aller Aktivitäten. Zwar wird er in seiner Bibliothek auch ein Büro haben. Ausgeschlossen ist aber Chicago als Lebensmittelpunkt, schreibt die "Washington Post". Das sei irgendwie durch. Vielleicht bleiben die Obamas aber in Washington, bis Tochter Sasha (heute 14) die High School abgeschlossen hat.
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