Oben sind nur noch 85 Superreiche

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Die Reichen werden so reich, dass nur wenige Milliardäre so viel haben wie große Teile der Weltbevölkerung zusammen. Der Kampf gegen Armut und Krankheiten wird so eher behindert, befürchten Menschenrechtler.

Eben noch hat Papst Franziskus auf den Philippinen "eine skandalöse soziale Ungleichheit" angeprangert. Am Montag untermauerte eine Studie der britischen Hilfsorganisation Oxfam mit Zahlen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich weltweit immer größer wird. Die Rede ist von einer "Explosion der Ungleichheit".

Schon im nächsten Jahr werde das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr Vermögen angehäuft haben als die restlichen 99 Prozent zusammen, heißt es in der Studie, die sich auf Daten des Finanzdienstleistungsunternehmens Credit Suisse und des jährlich veröffentlichten Milliardärs-rankings des amerikanischen Wirtschaftsmagzins "Forbes" beruft. Entfiel 2009 mit 44 Prozent noch deutlich weniger als die Hälfte des weltweiten Wohlstands auf ein Prozent der Bevölkerung, lag dieser Anteil 2014 schon bei 48 Prozent. 2016 dürfte er auf mehr als 52 Prozent steigen.

"Das Ausmaß der globalen Ungleichheit ist erschütternd", sagte Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima. Gleichzeitig habe einer von neun Menschen auf der Erde nicht genug zu essen, eine Milliarde Menschen müssten mit weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zurechtkommen.

Trotz Finanzkrise ein Plus

Auch an anderen Zahlen zeigt sich die wachsende soziale Ungleichheit: 2010 brauchte man noch 388 Milliardäre, um den Besitz der ärmeren Hälfte der Menschheit auszubalancieren. Heute sind es nur noch 85. Und während die Vermögen der Reichen auch in Zeiten der Finanzkrise sprunghaft anstiegen, lief die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung seit 2010 ins Minus. Zugleich seien es die einfachen Leute gewesen, die als Steuerzahler in der Wirtschaftskrise die Banken und Versicherungen vor dem Kollaps bewahrt hätten, so Oxfam.

So belief sich das Vermögen der 80 reichsten Personen der Welt im Jahr 2014 auf 1,9 Billiarden Dollar - ein Plus von 600 Milliarden Dollar in nur vier Jahren. Währenddessen sei das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung seit dem Jahr 2010 zurückgegangen.

Laut Studie machten die Milliardäre ihre Vermögen vor allem in den Bereichen des Finanz- und Versicherungssektors und im medizinischen und pharmazeutischen Bereich. Dort seien zuletzt extrem hohe Profite erwirtschaftet worden. Im Jahr 2014 waren 1645 Personen auf der "Forbes"-Liste als Milliardäre ausgewiesen. 492 oder 30 Prozent waren US-Bürger. Über ein Drittel aller Milliardäre hat diesen Reichtum nicht allein erarbeitet, sondern zunächst geerbt.

Oxfam schätzt, dass die reichsten Personen und Unternehmen weltweit 21 Billionen US-Dollar in Steueroasen verstecken. Die Hilfsorganisation hält den Superreichen zudem vor, die Politik zu ihren Gunsten massiv zu beeinflussen, etwa durch Wahlkampfspenden und Lobbyarbeit. Das gelte besonders für die USA und Europa, heißt es. Aber auch in Afrika nutzten internationale Unternehmen - besonders aus dem Rohstoffsektor - ihren Einfluss aus, um Steuern und Abgaben zu vermeiden. In Europa seien Sparmaßnahmen "unter großem Druck der Finanzmärkte" auf dem Rücken der Einkommensschwachen und des Mittelstandes durchgesetzt worden.

Oxfam steht mit seiner Analyse nicht allein. Bereits im Dezember hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beklagt, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in vielen Ländern so groß sei wie seit 30 Jahren nicht mehr. Beide Organisationen sehen nicht nur ein Problem für die Bekämpfung der größten Armut. Die große Einkommensungleichheit behindere auch das Wirtschaftswachstum, vor allem durch ausbleibende Investitionen in Bildung.

Thema in Davos

Die wachsende Kluft ist auch ein Thema des Weltwirtschaftsforums in Davos, das morgen beginnt. Mit Blick auf die dort zusammenkommende Politik-Prominenz - Teilnehmer sind unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der französische Präsident Francois Hollande und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang - fordert Oxfam konkrete Maßnahmen, darunter die Bekämpfung von Steuerflucht, die Besteuerung von Kapital statt von Arbeit oder die Einführung von Mindestlöhnen.
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