Offensive gegen PKK
Zahlreiche Tote bei Gefechten im Südosten der Türkei

Istanbul. Bei der Militäroffensive gegen die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK in der Südosttürkei sind inzwischen mehr als 100 Menschen umgekommen. 102 PKK-Kämpfer seien seit Mittwoch in den Provinzen Sirnak, Diyarbakir und Mardin getötet worden, meldeten die Nachrichtenagenturen Anadolu und DHA. Die Armee kündigte an, die Einsätze würden fortgesetzt, "bis öffentliche Ordnung hergestellt ist". Die Militäreinsätze finden in kurdischen Städten statt, in denen seit Tagen Ausgangssperren gelten. Nach Angaben von Augenzeugen setzt die Armee in den Wohngebieten auch Panzer und Scharfschützen ein, obwohl Zivilisten anwesend sind.

Grünen-Chef Cem Özdemir warf der Führung in Ankara Menschenrechtsverletzungen vor. Die gegen die PKK im Südosten der Türkei eingesetzten Spezialkräfte hätten völlig freie Hand. "Sie können verhaften, wen sie wollen, foltern, wen sie wollen, töten, wen sie wollen. Da kann man nicht von Menschenrechten oder Rechtsstaatlichkeit sprechen." Özdemir wies Ansinnen aus der Bundesregierung zurück, die Türkei als "sicheres Herkunftsland" einzustufen. Zugleich warnte er die EU davor, Kritik am türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zurückzuhalten, damit dieser in der Flüchtlingskrise kooperiert: "Das wäre ein Verrat europäischer Überzeugungen."

Die Polizei in Istanbul löste am Sonntag eine pro-kurdische Demonstration gegen die Militäroffensive im Südosten des Landes gewaltsam auf. Die Sicherheitskräfte setzten am Sonntag Tränengas ein. In Sprechchören nannten Demonstranten Erdogan einen "Mörder".
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