Papst beim Weltjugendtag
Franziskus fordert rebellische Jugend

Während der Messe im Wallfahrtsort Tschenstochau gab es eine Schrecksekunde. Papst Franziskus stolperte an einem Absatz. Er war aber sofort wieder auf den Beinen. Bild: dpa

Tschenstochau/Krakau. Papst Franziskus hat die jungen Menschen beim Weltjugendtag zur Rebellion für eine bessere Welt aufgerufen. "Es schmerzt mich, wenn ich jungen Menschen begegne, die vorzeitig in Pension gegangen zu sein scheinen", sagte er am Donnerstag bei einer Begrüßungszeremonie vor Hunderttausenden begeisterten Katholiken in Krakau. "Es macht mir Sorgen, wenn ich junge Menschen sehe, die das Handtuch geworfen haben, bevor sie zum Wettkampf angetreten sind."

Franziskus ermutigte die jungen Menschen, keine Angst vor Veränderungen zu haben. "Es ist schön und es tröstet mein Herz, euch so rebellisch zu sehen." Die Kirche könne davon lernen. Am zweiten Tag seiner Polen-Reise fuhr der Papst mit der Tram zum Blonia-Park in Krakau, wo ihn die Teilnehmer des großen katholischen Welttreffens trotz Regens frenetisch feierten. Auf dem weitläufigen Gelände, auf dem er mit dem Papa-Mobil herumfuhr, erschallten auch "Francesco, Francesco"-Rufe. Bei seinem Abstecher in den Wallfahrtsort Tschenstochau hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche zuvor für eine Schrecksekunde gesorgt. Zu Beginn einer Open-Air-Messe stolperte er - mit einem Weihrauchfass in der Hand - an einem Absatz und stürzte. Der 79-Jährige konnte sich jedoch mit Hilfe von zwei Begleitern rasch wieder aufrichten und predigte wie geplant. Dem Papst gehe es gut, versicherte später ein Vatikansprecher. Er war in den vergangenen Jahren in seinen langen Gewändern schon mehrfach ins Straucheln geraten.

An die Freitag will der Argentinier als dritter Papst nach Johannes Paul II. und Benedikt XVI. das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchen. Dort trifft er Holocaust-Überlebende. Anders als seine Vorgänger Papst Johannes Paul II. und Benedikt XVI. will Franziskus bei seinem Besuch schweigen.

Rabbiner und jüdische Verbände halten das Vorhaben, in Stille zu verharren, für angemessen. "Papst Franziskus ist ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen Antisemitismus und Heuchelei, und ein wahrer Freund des jüdischen Volkes. Wir danken ihm für seinen Besuch in Auschwitz, der eine wichtige Geste ist", sagte Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses.
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