Papst Franziskus besucht Polen
Kirchenoberhaupt fordert Aufnahme von Flüchtlingen

Begleitet vom polnischen Präsidenten Andrzej Duda (Dritter von links) und dessen Frau Agata Kornhauser-Duda (links) kommt Papst Franziskus (Zweiter von links) in das Wawel-Schloss in Krakau. Bild: dpa

Papst Franziskus geht in Polen auf eine heikle Mission. Beim Weltjugendtag will er mit den Pilgern feiern, kommt aber auch in ein Land, das etwa in der Flüchtlingspolitik ganz eigene Wege geht. Gleich zum Auftakt findet er klare Worte.

Krakau. Zum Auftakt seines Polen-Besuches hat Papst Franziskus die national-konservative Regierung des EU-Landes zur Aufnahme von Flüchtlingen aufgefordert. Es sei "die Bereitschaft zur Aufnahme derer notwendig, die vor Kriegen und Hunger fliehen", sagte das Kirchenoberhaupt am Mittwoch bei einem Treffen mit der polnischen Staatsspitze um Präsident Andrzej Duda und Regierungschefin Beata Szydlo in Krakau. Diejenigen, die ihrer Grundrechte beraubt seien oder des Rechtes, in Freiheit und Sicherheit den eigenen Glauben zu bekennen, benötigten Solidarität.

Szydlo gegen Flüchtlinge


Polen, ein tiefkatholisches Land, weigert sich im Unterschied zu anderen Staaten der Europäischen Union (EU), in nennenswertem Umfang muslimische Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Syrien, dem Irak oder Afghanistan aufzunehmen. Dies hat Szydlo vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge in Deutschland und Frankreich nochmals betont. Dagegen betonte Papst Franziskus, das Phänomen der Migration verlange "eine zusätzliche Portion an Weisheit und Barmherzigkeit, um die Ängste zu überwinden und das Optimum zu verwirklichen". Zudem betonte der Argentinier: "Gleichzeitig müssen Formen der Zusammenarbeit und Synergien auf internationaler Ebene vorangetrieben werden, um Lösungen für die Konflikte und die Kriege zu finden, die so viele Menschen zwingen, ihre Häuser und ihre Heimat zu verlassen."

Auf seinem Flug von Rom nach Krakau hatte Papst Franziskus bereits deutlich gemacht, dass er die Welt in einem Kriegszustand sieht. "Wir dürfen keine Angst haben, die Wahrheit zu sagen: Die Welt ist im Krieg, weil sie den Frieden verloren hat." Franziskus stellte klar, dass er nicht von einem Krieg der Religionen spreche. "Es ist ein Krieg um Interessen, ein Krieg um Geld, ein Krieg um Ressourcen der Natur. ... Ich spreche nicht von einem Krieg der Religionen." Alle Religionen wünschten sich Frieden, sagte Franziskus.

Treffen mit Pilgern


Papst Franziskus nimmt am Weltjugendtag teil, zu dem sich mehr als eine halbe Million junge Pilger versammelt haben. Zudem will der Argentinier auf seiner fünftägigen ersten Polen-Reise das ehemalige deutsche NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchen und Holocaust-Überlebende treffen. Sein Programm umfasst auch einen Abstecher in den Wallfahrtsort Tschenstochau, wo sich die Schwarze Madonna befindet, das Nationalheiligtum Polens. Am Mittwochabend traf er in der Kathedrale in Krakau polnische Bischöfen.
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