Papst Franziskus spricht Mutter Teresa heilig
Die Heilige aus den Slums

Die katholische Ordensschwester und Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa. Archixbild: dpa
 
Im Jahr 1992 empfing der damalige Papst Johannes Paul II. Mutter Teresa, den "Engel der Armen", zu einer Privataudienz im Vatikan. (Foto: dpa)
 
Das Bild von Mutter Teresa hängt im Mutterhauses des von ihr gegrändeten Ordens im indischen Kalkutta. (Foto: dpa)

Für viele war sie schon zu Lebzeiten eine Heilige, trotz einiger kritischer Stimmen. Nun wird Mutter Teresa von Kalkutta tatsächlich heiliggesprochen. Die Feier auf dem Petersplatz leitet Papst Franziskus.

Von Norbert Demuth, KNA

Bonn/Rom. Wer an Mutter Teresa denkt, hat ein ganz bestimmtes Bild vor Augen: eine kleine, gebückte Frau in weißblauem Gewand, die Hände gefaltet, das Gesicht zerfurcht. Viele Menschen haben den "Engel von Kalkutta" schon zu Lebzeiten wie eine Heilige verehrt. Nun wird die berühmte Missionsschwester wie erwartet am 4. September heiliggesprochen, 19 Jahre nach ihrem Tod. Papst Franziskus leitet den Festakt auf dem Petersplatz in Rom.

Auch wenn das überlebensgroße Bild der Ordensfrau in den vergangenen Jahren ein paar Kratzer bekam: Mutter Teresas Strahlkraft ist bis heute ungebrochen. Das zeigte sich etwa im September 2015, als das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Bundeskanzlerin Angela Merkel angesichts ihres Handelns in der Flüchtlingskrise als "Mutter Angela" auf den Titel brachte.

In Mazedonien geboren


Mutter Teresa wurde am 26. August 1910 als Agnes Gonxha Bojaxhiu in Skopje im heutigen Mazedonien geboren. Schon mit 18 Jahren ging sie als Missionsschwester nach Indien und arbeitete dort - wie viele Missionarinnen - als Lehrerin. Ihr Weg bis hin zur Direktorin einer Mädchenschule schien vorgezeichnet. Doch täglich begegneten ihr in Kalkutta Bettler, ausgemergelte und kranke Menschen. Sie sah Kinder, die ausgesetzt wurden. Eine "Damaskus-Stunde" beendete ihr normales Leben als Missionarin. "Gott rief mich", sagte sie später. Bewegt vom Elend in den Slums von Kalkutta verließ sie im Jahr 1948 ihr Kloster und gründete eine eigene Ordensgemeinschaft.

Dennoch war ihre Frömmigkeit offenbar nicht unerschütterlich, wie private Notizen und vertrauliche Briefwechsel offenbarten, die erst im Jahr 2007 veröffentlicht wurden. Ein ganzes Jahrzehnt lang durchlitt die Ordensfrau demnach quälende seelische Einsamkeit und schmerzhafte Zweifel an ihrer Mission. Die "Missionarinnen der Nächstenliebe" widmeten sich den Ärmsten, den Findelkindern und den Sterbenden auf der Straße. Immer mehr junge Frauen, zunächst in Indien und später auf allen Kontinenten, schlossen sich ihrem Orden an.

Friedensnobelpreis


Im Jahr 1979 wurde Mutter Teresa mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Wenn nach Vorbildern gefragt wurde, stand ihr Name meist auf den vorderen Plätzen. Für die meisten Menschen war Mutter Teresa ein weltweites Symbol für christliche Nächstenliebe. im Jahr 2013 veröffentlichten dann deutsche Medien wie die "Zeit", die "Süddeutsche Zeitung" oder die "Welt" kritische Berichte. Anlass war eine umfangreiche Studie zum Leben der berühmten Missionsschwester. Drei kanadische Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, in den Armenhäusern des Ordens hätten schlechte hygienische Zustände geherrscht. Sterbenden seien teilweise Schmerzmittel verweigert worden. Mutter Teresa sei sogar "alles andere als eine Heilige", bilanzierte der Leiter der Studie, der Psychologieprofessor Serge Larivee von der Universität Montreal.

„Es genügt nicht zu sagen: Ich liebe. Liebe muss lebendige Tat werden.“Mutter Teresa

Bei ihrem Tod am 5. September 1997 im Alter von 87 Jahren war die Trauer weltweit groß. Papst Johannes Paul II. (1978-2005) nannte sie "ein Geschenk an die Kirche und an die Welt". Bereits sechs Jahre später, am 19. Oktober 2003, sprach er Mutter Teresa in Anwesenheit von rund 300 000 Menschen in Rom selig.

Am Tag vor ihrem 19. Todestag gelangt sie nun zu höchsten Kirchenehren. Mutter Teresa wird dann eine von mehr als 6600 Heiligen der römisch-katholischen Kirche sein. Im Dezember 2015 hatte Papst Franziskus die wissenschaftlich nicht erklärbare Heilung eines an einem bösartigen Hirntumor leidenden Brasilianers im Jahr 2008 als zweites Wunder auf Fürsprache von Mutter Teresa anerkannt - eine notwendige kirchenrechtliche Voraussetzung.

Auch Vertrauter gestorben


Als Franziskus im März vier im Jemen ermordete Mutter-Teresa-Schwestern würdigte, betete er bereits in bemerkenswerten Worten: "Mutter Teresa begleite diese ihre Töchter und Märtyrer der Nächstenliebe ins Paradies." Dem Initiator des Heiligsprechungsverfahrens war es nicht mehr vergönnt, den Festakt am 4. September mitzuerleben: Der emeritierte Erzbischof Henry Sebastian D'Souza von Kalkutta, ein enger Vertrauter Mutter Teresas, starb Ende Juni im Alter von 90 Jahren.

"Missionarinnen der Nächstenliebe"Die Gemeinschaft "Missionarinnen der Nächstenliebe" ist eine der erfolgreichsten Ordensgründungen des 20. Jahrhunderts. Die von der seligen Mutter Teresa von Kalkutta (Agnes Bojaxhiu, 1910-1997) in Indien gegründete Gemeinschaft erhielt 1950 vom Vatikan als Einrichtung diözesanen Rechts die offizielle Anerkennung. Ordenstracht ist der weiße Sari mit dem blauen Band.

Der Gemeinschaft, die weltweit in mehr als 130 Ländern vertreten ist, zählt nach Vatikanangaben rund 5300 Schwestern in weltweit 762 Häusern. Etwas mehr als 400 Mitglieder hat der männliche Zweig. Auch nach dem Tod der Ordensgründerin 1997 verzeichnet der Orden weiteren Zuwachs, allerdings auf niedrigerem Niveau. Geleitet wird er seit 2009 von der aus Deutschland stammenden Mary Prema Pierick (63).

Ihre Hauptaufgabe sehen die Schwestern Mutter Teresas in der Hilfe für Kranke, Arme und Obdachlose. In Sterbehäusern werden Todkranke gepflegt, in Schulen und Waisenhäusern Kinder betreut. Neben den drei klassischen Gelübden der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams verpflichten sich die Schwestern auch zum Dienst an den Ärmsten der Armen. 1976 wurde in New York ein kontemplativer Zweig der Missionarinnen der Nächstenliebe gegründet; dessen Hauptaufgabe ist das Gebet.

1979 errichteten Schwestern Mutter Teresas die erste deutsche Niederlassung in Essen. Weitere Häuser entstanden in Berlin- Kreuzberg, Chemnitz, Mannheim, Hamburg, München und Frankfurt am Main. Die Gründerin Mutter Teresa wird am 4. September in Rom von Papst Franziskus heiliggesprochen. (KNA)

Missio-Fotograf Karl-Heinz Melters erinnert sich an Mutter Teresa





Mutter Teresa und ihr LebenswegDie Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) ist als "Mutter der Armen" weltweit bekannt. Als Albanerin mit bürgerlichen Namen Agnes Gonxha Bojaxhiu im heute mazedonischen Skopje geboren, wollte sie schon als Schulmädchen Missionsschwester werden. Mit 18 Jahren trat sie bei den Loreto-Schwestern ein, die sie als Lehrerin nach Kalkutta sandten.

Im Jahr 1948 verließ sie diese Gemeinschaft, um ihrer nach eigenem Empfinden eigentlichen Bestimmung nachzugehen. In einen weißen Sari, die übliche indische Frauentracht, gekleidet, siedelte sie in eines der schlimmsten Elendsviertel von Kalkutta über, um dort das Leben der Armen zu teilen. Schon ein Jahr später konnte sie dort mit einheimischen jungen Frauen, die sich ihr anschlossen, eine Gemeinschaft bilden, die "Missionarinnen der Nächstenliebe". Vor allem ihre Heime für Findelkinder und ihre Sterbehäuser für todgeweihte Obdachlose machten sie über Indien hinaus bekannt.

Für ihr Werk, das auf allen Kontinenten Fuß fasste, wurden ihr zahlreiche Ehrungen zuteil, unter anderem die Ehrenstaatsbürgerschaft der USA sowie im Jahr 1979 der Friedensnobelpreis. Am 5. September 1997 starb Mutter Teresa 87-jährig in Kalkutta. Bereits sechs Jahre später, am 19. Oktober 2003, sprach Papst Johannes Paul II. (1978-2005) sie selig. Die Heiligsprechungsfeier für Mutter Teresa findet am 4. September auf dem Petersplatz in Rom statt. (KNA)
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