Parlamentswahl in Dänemark stellt Machtverhältnisse auf den Kopf - Volkspartei zieht Fäden bei ...
Daumen hoch für Rechtspopulisten

Die Regierungschefin tritt ab, obwohl ihre Sozialdemokraten mit 26,3 Prozent (im Vergleich zu 2011 ein Plus von 1,5 Prozentpunkte) die meisten Stimmen bekommen. Und der große Wahl-Verlierer wird wohl Ministerpräsident. Dänemark ist am Tag nach der Parlamentswahl ratlos. Die Machtverhältnisse in dem kleinen Land sind auf den Kopf gestellt. Denn die Fäden halten die Rechtspopulisten der Dänischen Volkspartei (DF) in der Hand. Sie sind als neue größte bürgerliche Partei (21,1 Prozent, plus 8,8 Prozentpunkte) die strahlenden Sieger unter vielen Verlierern. Und könnten dem Liberalen Lars Løkke Rasmussen künftig die Agenda diktieren. Die Venstre, die Liberalen, erhielten 19,5 Prozent (minus 7,2 Prozentpunkte).

Keine Asylbewerber mehr ins Land, weniger Macht für die EU, mehr Wohlstand den Dänen: Mit solchen Parolen war die Volkspartei (DF) erfolgreich auf Stimmenfang gegangen. Ihr beliebter Chef Kristian Thulesen Dahl wird wie ein Superstar bejubelt, als er in der Wahlnacht mit einem breiten Grinsen vor seine Anhänger tritt und übermütig "You'll never walk alone" ins Mikrofon schmettert. Mehr als jeder fünfte Däne machte sein Kreuz am Donnerstag bei den Rechtspopulisten.

Verlierer als Regierungschef

Trotzdem ist es nicht Thulesen Dahl, sondern der frühere Ministerpräsident Løkke Rasmussen, der nach vier Jahren in der Opposition an die Regierungsspitze zurückkehren wird. 2011 hatte Helle Thorning-Schmidt den Liberalen trotz eines miserablen Wahlausgangs für ihre Sozialdemokraten dort abgelöst. Jetzt ist die Situation genau umgekehrt. Die Venstre steht so schlecht da wie seit 25 Jahren nicht mehr, ihr Chef ist unpopulär. Die Rechtspopulisten gedenken das auszunutzen. "Wir werden hart arbeiten, um unsere Anliegen durchzubringen", sagt Thulesen Dahl am Freitag gelassen. Will Løkke Rasmussen die Rechtspopulisten an Bord holen, muss er ihnen Zugeständnisse machen. Uneinig sind Liberale und Populisten etwa beim Thema Sozialstaat. Die DF fordert einen größeren öffentlichen Sektor, Venstre propagiert Null-Wachstum.

Auch gegenüber den europäischen Partnern kommt Løkke Rasmussen mit der Volkspartei an seiner Seite in Erklärungsnot. Im Wahlkampf hatten DF und Venstre den Schulterschluss mit dem britischen Premier David Cameron angekündigt, damit die EU nicht zu einer "sozialen Union" werde. Doch anders als die EU-Gegner von der DF sind die Liberalen der Europäischen Union eher freundlich gesonnen. Nach dem Wunsch der Rechtspopulisten soll an den dänischen Grenzen wieder kontrolliert werden.

Ein Knackpunkt dürfte die Härte in der Ausländerpolitik werden. Für eine strengere Hand gegenüber Asylbewerbern hatte Løkke Rasmussen im Wahlkampf selbst geworben. Um den Flüchtlingszustrom zu bekämpfen, kündigte er eine Asyl-Reform an. Asylbewerber, die kriminell werden, sollen leichter ausgewiesen werden. Für das "Integrationsproblem" soll künftig wieder ein eigenes Ministerium zuständig sein. Doch die Volkspartei geht viel weiter: Die Populisten fordern einen kompletten Asyl-Stopp. "Dänemark ist kein Einwandererland", meint die DF, vor allem nicht für Menschen nicht-westlicher Abstammung. Auf religiöse Minderheiten werde zu viel Rücksicht genommen.

Verlust an Glaubwürdigkeit

Viele Muslime dürften sich künftig weniger wohl fühlen in einem Land, in dem mehr als 20 Prozent der Einwohner für eine Partei stimmen, die meint, dass Dänemark allein "Land der Dänen" ist. Auf den Straßen im Kopenhagener Migranten-Stadtteil Nørrebro schütteln viele ungläubig den Kopf über das Wahlergebnis. Es zeichnet ein Bild von Dänemark, das vor allem der Hauptstadt nicht gerecht wird, meinen sie. "Für Dänemarks internationales Ansehen und Glaubwürdigkeit ist das Wahlergebnis das denkbar Schlechteste", urteilt die Zeitung "Politiken" am Freitag und warnt vor dem "gefährlichen Experiment", das die neue Macht der Rechten bedeuten könnte.
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