Peer Steinbrück äußert sich in neuem Buch zu seinem Scheitern als SPD-Kanzlerkandidat
"Meine Kandidatur war ein Fehler"

Peer Steinbrück. Archivbild: dpa
Peer Steinbrück nennt es den "Blues von der Beinfreiheit". Diese hatte sich der frühere Finanzminister als SPD-Kanzlerkandidat ausbedungen. Nachdem Frank-Walter Steinmeier in einem Hintergrundzirkel seinen Verzicht auf die Kandidatur hatte durchblicken lassen, kam es am 28. September 2012 zur "Sturzgeburt", wie es Steinbrück in seinem Buch "Vertagte Zukunft" - es erscheint am 11. März - bezeichnet. "Damit waren alle Schleusentore geöffnet, und ich musste schwimmen, bevor ich mir auch nur eine Badehose anziehen konnte." Im Buch klingt einiges ein wenig nach Abrechnung. Zwar will Steinbrück nach eigenem Bekunden der Großen Koalition nicht vors Schienbein treten, aber er kritisiert das von ihm mitgetragene Rentenpaket mit Kosten von mindestens 160 Milliarden Euro bis 2030 und warnt vor stark steigenden Beitragssätzen. Und die von Wirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel erarbeitete Reform der Ökostrom-Förderung, die sich zu einem regulatorischen "Monster" entwickelt habe, findet er unzureichend.

Zwar dankt der Bundestagsabgeordnete für Solidarität im suboptimalen Wahlkampf - er attestiert aber zu wenige Ideen für eine moderne Finanz- und Wirtschaftspolitik. Ohne die eigenen Pannen über Gebühr zu thematisieren, schreibt der 68-Jährige: "Meine Kandidatur für das Amt des Bundeskanzlers war ein Fehler." Diese sei Fehleinschätzungen entsprungen, eben auch, dass er genug Beinfreiheit haben könnte, um in der Mitte zu punkten. Er habe sich auch von seiner Beliebtheit als Klartext-Politiker blenden lassen. "Mit einer gewissen Koketterie rutschte ich also erneut in die politische Hexenküche", schreibt er. "Die Knall auf Fall erfolgte Nominierung erwischte mich nicht nur ohne Infrastruktur, sondern auch - viel fataler - ohne eine vorbereitete Sprachregelung zu meinen Honorarverträgen."

"Nicht mehr Steinbrück"

Die Frage eines Politikwechsels sei auf den Wunsch nach In-Ruhe-gelassen-werden und auf den Wunsch nach Kontinuität mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gestoßen. 75 Prozent seien mit ihrer ökonomischen Lage zufrieden gewesen. Die SPD habe im Wahlkampf ein falsches Bild von einem Deutschland gezeichnet, das am Scheideweg stehe. Und er habe das Steuer- und Rentenkonzept nach den "Stockfehlern" und mit Rücksicht auf die Parteilinie nicht mehr nachjustieren können. So kam es zum linken Wahlkampf mit falschem Kandidaten: "Steinbrück war irgendwann nicht mehr Steinbrück."

Miese Umfragen seien durch "straffe Körperhaltung, Dauerlächeln und die ständige Wiederholung von Sprechblasen" überspielt worden. Die Bundestagswahl sei für ihn im Frühjahr 2013 verloren gewesen. Ein hausgemachtes SPD-Problem sei auch eine "gewisse Verklemmung gegenüber dem Erbe der Agenda 2010" von Gerhard Schröder.
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