Pegida-Bündnis verliert schon die zweite weibliche Führungsfigur
Festerling fliegt raus

Der Bruch in der Pegida-Führung ist offiziell: Das Organisationsteam kündigte den Ausschluss von Frontfrau Tatjana Festerling aus dem Pegida-Verein an. Archivbild: dpa

Dresden. Frauen haben es nicht leicht mit Lutz Bachmann. Zumindest nicht, wenn sie an der Seite des Pegida-Gründers bei den Kundgebungen des fremden- und islamfeindlichen Bündnisses auf der Rednerbühne stehen. Das Licht der Öffentlichkeit genießt der 43-Jährige sichtlich, teilt es aber wohl nicht gerne und scheut auch den Schatten. Nach Pegida-Mitgründerin Kathrin Oertel, die das Bündnis im Streit um die Führung bereits im Januar vergangenen Jahres verlassen hatte, bekommt das nun auch Tatjana Festerling zu spüren.

Die 52-Jährige frühere Hamburger AfD-Politikerin war nach Oertel zum neuen weiblichen Gesicht von Pegida geworden und hatte in Dresden mit ihren hetzerischen Reden gegen Flüchtlinge, Politik und Medien den Rechtsdrift der selbst ernannten Patrioten maßgeblich mit vorangetrieben. Im Sommer vergangenen Jahres war sie bei der Oberbürgermeisterwahl als Pegida-Kandidatin ins Rennen gegangen und hatte aus dem Stand fast zehn Prozent geholt. 21 000 Stimmen. Nun fliegt sie raus. Die Ankündigung des Pegida-Organisationsteams, sie wegen "vereinsschädigenden Verhaltens" aus dem Pegida-Verein auszuschließen, spaltet die Anhängerschaft. "Wie kann man so eine starke Frau einfach gehen lassen?", fragt jemand bei Facebook, nicht ohne das auch gleich mit Kritik an Bachmann und seinen verbliebenen Mitstreitern zu verbinden. "Seit geraumer Zeit kommt von Euch fast jedes Mal dasselbe. Es wird geredet, geredet und dann? Nix."

Doch "einfach gehen lassen" beschreibt es nicht. "Am 18. April auf dem Altmarkt wurde mir von Lutz Bachmann auf dem Sprecherwagen ein Redeverbot erteilt", erklärt Festerling im Internet und bezichtigt Bachmann der Lüge. Sein "Orgateam" bestreitet nämlich, dass es ein solches Verbot überhaupt gibt. Der Vereinsausschluss sei überdies nicht geplant, sondern längst vollzogen, meint Festerling - noch eine "Lüge". Inwieweit sich der Bruch in der Führung auch nachhaltig auf die Zahl der Pegida-Anhänger auswirkt, bleibt abzuwarten. Am kommenden Montag wird man es sehen bei der nächsten Kundgebung in Dresden. Dort war Festerlings wochenlanges Fernbleiben natürlich aufgefallen. Auf eine offizielle Erklärung warteten die Pegidianer jedoch lange vergeblich. Erst Anfang der Woche hatte ein Aktivist den Krach öffentlich gemacht.
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