Pfingsttreffen der Sudetendeutschen
Ärger für Minister in Tschechien

Seine Rede beim sudetendeutschen Treffen an Pfingsten in Nürnberg beschert dem tschechischen Kulturminister Daniel Herman Ärger zu Hause. Sowohl Präsident Milos Zeman als auch dessen Vorgänger Vaclav Klaus kritisieren den Auftritt. Bild: dpa

Der Auftritt des tschechischen Kulturministers Daniel Herman auf dem Pfingsttreffen der Sudetendeutschen zieht an der Moldau Kreise. Seine Rede in Nürnberg gilt vielen als gar nicht historisch.

Prag. Daniel Herman ist der erste tschechische Minister, der auf einem Treffen der Sudetendeutschen sprach. Jetzt muss er sich in Tschechien für seien Auftritt in Nürnberg rechtfertigen. Zumindest in Bayern war die Rede durch Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer und durch den Sprecher der Sudetendeutschen, Bernd Posselt, als "historisch" begrüßt worden.

Der Auftritt Hermans war vor Monaten zwischen Seehofer und dem tschechischen Premier Bohuslav Sobotka vereinbart worden. Bis zuletzt war jedoch offen, ob die Vereinbarung eingehalten werden würde. Im Programm des Treffens war die Rede Hermans sicherheitshalber nicht erwähnt worden. Bereits im vergangenen Jahr hatte Hermans christdemokratischer Parteichef, Jiri Belohlavek, eine reich beklatschte Videobotschaft an die Sudetendeutschen gerichtet.

Der tschechische Kulturminister warb in seiner Rede, die er mit den Worten "Liebe Landsleute" begonnen hatte, für eine Verständigung zwischen Tschechen und Sudetendeutschen. Es sei seiner Meinung nach höchste Zeit, dass das Treffen der Sudetendeutschen auch von einem tschechischen Minister offiziell besucht werde. "Wenn es nicht 40 Jahre Kommunismus gegeben hätte, dann wäre so etwas sehr viel früher möglich gewesen."

Dass die Kommunisten über den Auftritt schäumten und Hermans Rücktritt forderten, war zu erwarten. Es äußern sich aber auch andere. Präsident Milos Zeman ließ über seinen Sprecher ausrichten, dass ein tschechischer Minister nicht zu den Sudetendeutschen fahren sollte. Da es sich nur "um eine Landsmannschaft" handle, wäre der richtige Gesprächspartner beispielsweise der Klub der tschechischen Grenzgebiete gewesen. In dem sind unter anderem ehemalige Angehörige der Grenztruppen vereint, die auf tschechoslowakische Flüchtlinge in den Westen schossen - bis heute ungesühnt.

Klaus tritt gegen Posselt


Herman sagte seinerseits im Fernsehinterview, dass der Präsident von seinem Auftritt vorab gewusst und diesen vor Zeugen begrüßt habe. Herman bezichtigte damit den Präsidenten öffentlich der Lüge. Auch Zemans Vorgänger Vaclav Klaus, der seit Wochen in Deutschland bei der AfD auftritt, die für ihn die "Hoffnung für Europa" darstellt, mokierte sich über Hermans Aufritt bei den Sudetendeutschen. Er, so Klaus, habe Pfingsten in einer deutschen Zeitung ein Interview mit Posselt gelesen, in dem dieser die Vertreibung seiner Familie 1946 und der Sudetendeutschen als "eiskalt vorbereitetes Verbrechen" bezeichnet habe, statt zuzugeben, dass der Krieg von Hitler vom Zaun gebrochen worden sei.

Vermutlich war die Äußerung von Klaus aber nur eine Revanche für den Vorwurf Posselts in besagtem Interview, dass Klaus sich mit deutschen Nationalisten - gemeint war die AfD - gemein mache.

Kritik an Senatspräsident


Ärger handelte sich auch der Vorsitzende des Senats, Milan Stech, ein. Er hat zum 70. Jahrestag der Befreiung des Juden-Ghettos und des Konzentrationslagers Theresienstadt einen Unterschied zwischen den im Krieg umgebrachten Tschechen und den Toten bei der Vertreibung der Deutschen gemacht. Die deutschen Verbrechen seien viel schlimmer gewesen. Die Jüdische Gemeinde in Tschechien bezeichnete diese Aussage als "antideutsch und nationalistisch". Dies passe nicht in die Zeit.
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