Polit-Beben in Paris
Frankreich steht vor radikalem Politikwechsel

Aktuelle Umfragen sehen die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr auf ein Duell zwischen dem Konservativen François Fillon und der Rechtspopulistin Marine Le Pen hinauslaufen. Fillon gilt als Favorit. Bilder: dpa

Nach dem Sieg von François Fillon sprechen Medien von einer "Revolution": Frankreichs Konservative wählen einen Hardliner als Präsidentschaftskandidaten. Bei den regierenden Sozialisten eskaliert an der Spitze ein gefährlicher Machtkampf.

Paris. Die triumphale Wahl von François Fillon zum konservativen Präsidentschaftskandidaten erschüttert das Gefüge der französischen Politik. Der 62-Jährige Ex-Premier strebt einen radikalen Kurswechsel an und will im Falle einer Machtübernahme im kommenden Jahr weitgehende wirtschaftsliberale Reformen durchsetzen. Fillon hatte am Sonntag bei der Kandidatenkür des bürgerlichen Lagers mit 66,5 Prozent der Stimmen abgeschnitten. Sein unterlegener Konkurrent Alain Juppé (71) kam auf 33,5 Prozent.

Valls droht Rauswurf


Die neue Geschlossenheit des konservativen Lagers verstärkt eine seit längerem schwelende Krise bei den regierenden Sozialisten. Regierungssprecher Stéphane Le Foll warnte den ehrgeizigen Premierminister Manuel Valls am Montag, eine Kandidatur gegen Amtsinhaber François Hollande sei nicht mit der Position als Regierungschef vereinbar. Le Foll, der auch Agrarminister ist, drohte ihm offen mit dem Rausschmiss. Valls könne natürlich antreten, sagte Le Foll dem Sender Europe 1: "Aber in diesem Augenblick ist er nicht mehr Premierminister." Ob Hollande wieder antritt, ist wahrscheinlich, aber bisher nicht bestätigt. Die Vorwahl der Linken ist im Januar kommenden Jahres geplant, die Präsidentenwahl dann im April und Mai 2017.

Die Bürgerlichen kürten ihren Anwärter erstmals mit einer Vorwahl, bei der alle Anhänger votieren konnten. Mehr als vier Millionen Franzosen stimmten ab. Die Entscheidung gilt als wichtige Weichenstellung: Umfragen lassen für die Präsidentschaftswahl bislang ein Duell zwischen Fillon und der Rechtspopulistin Marine Le Pen erwarten. Aktuelle Umfragen sehen Fillon dabei als Favoriten. Nach Angaben des Instituts Harris Interactive käme Fillon im ersten Wahlgang mit 26 Prozent der Stimmen knapp vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen (24 Prozent) auf Platz eins - egal, ob Hollande oder Valls für die Sozialisten antritt. In der entscheidenden Stichwahl würde Fillon sich demnach mit zwei Dritteln der Stimmen klar durchsetzen. Das Institut hatte am Sonntag mehr als 6000 repräsentativ ausgewählte Franzosen online befragt.

"Konservative Revolution"


Ein Sieg Fillons hätte auch für Europa Konsequenzen. Der Ex-Premier gilt als russlandfreundlich und tritt dafür ein, die EU-Wirtschaftssanktionen gegen Moskau zu beenden. Vor dem Votum hatte Kremlchef Wladimir Putin Fillon noch ausdrücklich gelobt und ihn als "anständigen Mann" bezeichnet.

Seinem Land will Fillon einen Sparkurs verordnen, eine halbe Million Jobs im öffentlichen Dienst streichen und die Franzosen länger arbeiten lassen. Die Tageszeitung "Le Monde" schrieb mit Blick auf Fillon daher auch von einer "konservativen Revolution".
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