Polizei findet Schlüsselbund für Stellwerke
Freie Bahn

Nicht auszudenken, wenn der Schlüsselbund in falsche Hände geraten wäre. Ein Übeltäter hätte an Bahnübergängen wie in der Sintzelstraße in Weiden (unser Bild) oder an Stellwerken der Bahn Hand anlegen können. Bild: wsb
Schwandorf. (hwo) Der Zufall spielte Kriminalbeamten den Bund mit 22 Schlüsseln in die Hände. Per richterlicher Anordnung setzten sie im September letzten Jahres zur Durchsuchung einer Wohnung in Schwandorf an und fahndeten eigentlich nach Rauschgift. Was die Drogenspezialisten beschlagnahmten, war allerdings von ganz anderer Art: "Da lag dieser Schlüsselbund mit DB-Kennzeichnung in einer Schachtel", berichtete jetzt eine Kripobeamtin der Amtsrichterin Petra Froschauer.

Auf der Anklagebank saß der 24 Jahre alte Wohnungsmieter. Er hatte den Schlüsselbund wenige Tage zuvor auf der Werthstraße gefunden, ihn mitgenommen und in die Schachtel bei sich daheim gelegt. "Warum haben Sie ihn nicht abgegeben?", forschte die Richterin nach. "Keine Zeit, damit zur Polizei zu gehen", hörte sie und bohrte nach: "Es gibt auch ein Fundamt bei der Stadt." Von einer solchen behördlichen Stelle wollte der junge Mann noch nie etwas gehört haben. "Also Fundunterschlagung", bilanzierte Petra Froschauer ihre gewonnenen Eindrücke. Der 24-Jährige räumte die Straftat ein.

Überall aufsperren

Was machte die Amberger Kripo seinerzeit, als sich plötzlich der Schlüsselbund in ihrem Sicherstellungsverzeichnis befand? Einer der Beamten zog Erkundigungen ein, wandte sich an einen ihm bekannten DB-Bediensteten und erfuhr, dass der Fund von außerordentlicher Brisanz war. Denn mit diesen Schlüsseln hätte man Schrankenanlagen aufsperren und - wie sich später ergab - auch Stellwerke im gesamten Bundesgebiet und deren technische Einrichtungen entriegeln können.

Aus der Sachlage, die dem Finder gänzlich unbekannt war, entwickelten sich weitere Fragen. Wer hatte den Schlüsselbund verloren? Kam er womöglich bei einem Diebstahl abhanden und wurde, weil als Beute nicht brauchbar, weggeworfen? Bis heute gibt es keine Antworten darauf. Fest steht nur, dass womöglich in ganz Deutschland Schließanlagen und Schlösser hätten ausgewechselt werden müssen. "Eine solche Maßnahme", beschrieb Richterin Froschauer ihre Vermutung, "hätte von den Kosten her in die Hunderttausende gehen können."

Die Deutsche Bahn hat ihre Schlüssel wieder, sie muss sich keine weiter reichenden Gedanken machen. Wohl aber waren Überlegungen hinsichtlich des unehrlichen Finders anzustellen. Der junge Mann brachte acht Vorstrafen mit, stand zur Tatzeit unter Bewährung. "Diesmal muss er in Haft", befand die Staatsanwältin und beantragte drei Monate. Zur gleichen Auffassung gelangte auch die Richterin. Als sie in den Akten blätterte, wurde deutlich, dass auch schon die Vorahndungen des 24-Jährigen etwas mit der Deutschen Bahn zu tun hatten. Er war permanent ohne Fahrkarte in Zügen unterwegs.
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