Polizisten im Visier der Terroristen

Viele hatten es kommen sehen: Dschihadisten planen Attentate in Belgien. Doch die Explosion der Gewalt beim Zugriff der Polizei im Osten des Landes schockiert.

"Das kann ich nicht sagen", "Kein Kommentar", "Keine Idee" - einsilbig reagieren belgische Ermittler auf Fragen. Es wird noch lange dauern, bis die Umstände eines vereitelten Terroranschlages von Dschihadisten in Belgien vollständig aufgeklärt sind. Bei einem Punkt werden die Ermittler jedoch deutlich. Die vermutete Terrorzelle, zu der auch Syrien-Heimkehrer gehören, sah es explizit auf Ordnungshüter ab. "Sie wollten Polizisten töten", sagt der Sprecher der Brüsseler Staatsanwaltschaft, Eric van der Sypt.

Kalaschnikow im Arsenal

Der Anti-Terroreinsatz war einer der größten bisher. Anschläge wurden schon vorher verhindert, ohne dass das dies an die große Glocke gehängt wurde. Bei Hausdurchsuchungen in Verviers und im Großraum Brüssel finden Spezialkräfte ganze Waffenarsenale mit Kalaschnikows, Sprengstoffen und Munition. Eine Ausrüstung wie für einen Krieg. Zwei Terrorverdächtige starben am Donnerstag im Kugelhagel der Polizei in Verviers.

Einen Tag später ist die Rue de la Colline im Zentrum der ostbelgischen Stadt abgesperrt. Auf der Backsteinfassade des Hauses mit der Nummer 16 haben sich schwarze Rußspuren eingebrannt. Anwohner sind schockiert. "Wir wurden aufgefordert, uns von den Fenstern fernzuhalten und in der Wohnung zu bleiben", erzählt eine Frau.

Die Explosion terroristischer Gewalt trifft Belgien ins Mark. Doch das kleine Land ist nicht unvorbereitet. Experten warnen seit langem vor Gewalttaten heimgekehrter Syrien-Kämpfer. Und die Ereignisse scheinen ihnen recht zu geben.

Im Mai vergangenen Jahres schießt der aus Frankreich stammende Islamist Mehdi Nemmouche im Jüdischen Museum in der Hauptstadt Brüssel um sich und tötet vier Menschen. In der Hafenstadt Antwerpen läuft seit Monaten ein Prozess gegen die mutmaßliche islamistische Terror-Organisation "Sharia4Belgium". Sie soll junge Leute in den "Heiligen Krieg" nach Syrien geschickt haben. Ein Urteil wird im Februar erwartet.

Bis zu 650 Kämpfer

Experten sprechen von bis zu 650 Syrien-Kämpfern, ein Teil kehrte wieder zurück. Der Anti-Terror-Experte der Europäischen Union, Gilles de Kerchove, warnt davor, diese Menschen pauschal als Kriminelle zu verdammen, die hinter Gitter müssten. "Man muss jeden Fall einzeln prüfen", meint er. "Einige brauchen psychologische Betreuung, andere soziale Unterstützung. Diejenigen, die Verbrechen begangen haben, müssen vor Gericht gebracht werden."

Belgier wehren sich gegen Vorwürfe, wonach ihr Land eine europäische Drehscheibe für Waffen aller Art ist. "Waffen zirkulieren im gesamten Schengen-Raum relativ einfach", sagt der Sicherheitsexperte André Jacob beim TV-Sender RTBF mit Blick auf den europäischen Raum für Reisen ohne Grenzkontrollen. "Es ist schwierig, die Leute zu überprüfen." Ermittler weisen Vermutungen zurück, wonach die Terrorzelle etwas mit den Anschlägen in Paris zu tun haben könnte, bei denen 17 Menschen starben. "Unsere Untersuchungen begannen schon vor einigen Wochen, lange vor den Anschlägen in Paris", sagt van der Sypt. Der Jurist sieht auch keine Verbindung zu einem verhafteten Mann aus dem südbelgischen Charleroi. Dieser soll nach Medienberichten mit dem Terroristen Amedy Coulibaly über den Kauf eines Autos und von Waffen verhandelt haben. Coulibaly hatte in Paris vier Menschen getötet.
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