Presse ohne Prophet

"Cumhuriyet - wenn du Charlie bist, bin ich Kouchi", steht auf dem Plakat. Vor dem Gericht in Istanbul entlud sich der Protest gegen die Zeitung, die Teile der aktuellen "Charlie Hebdo"-Ausgabe gedruckt hatte. Bild: dpa

Der Veröffentlichung des Titelbilds der aktuellen Ausgabe von "Charlie Hebdo" sorgt für Aufregung in der Türkei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, und Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagt, wo für ihn die Pressefreiheit endet: spätestens beim Propheten.

(dpa/KNA) Nach der Veröffentlichung des "Charlie Hebdo"-Titelbilds in der Türkei hat Ministerpräsident Ahmet Davutoglu den Abdruck von Mohammed-Karikaturen verurteilt. "Pressefreiheit bedeutet nicht die Freiheit zur Beleidigung", sagte Davutoglu nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag in Ankara. Insbesondere, wenn es den Propheten betreffe, könne man das nicht als Pressefreiheit betrachten.

"In diesem Land erlauben wir keine Beleidigung des heiligen Propheten. Das ist eine sehr klare und grundsätzliche Haltung." Davutoglu erklärte weiter, in der Türkei herrsche eine große Sensibilität bezüglich des Themas. Unter diesen Umständen eine den Propheten beleidigende Karikatur zu veröffentlichen, sei eine Provokation. Die linksnationalistische Zeitung "Cumhuriyet" hatte am Mittwoch unter anderem das "Charlie Hebdo"-Titelbild, das einen weinenden Mohammed zeigt, klein über zwei Kolumnen abgedruckt. Die türkische Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen zwei Kolumnisten von "Cumhuriyet" ein. Ihnen werde unter anderem Volksverhetzung vorgeworfen, meldete die Nachrichtenagentur DHA.

Satire darf auch nach den Worten von Papst Franziskus nicht alles: "Es gibt eine Grenze, jede Religion hat Würde", sagte er im Blick auf die Zeitschrift "Charlie Hebdo" am Donnerstag vor Journalisten auf dem Weg nach Manila. "Jede Religion, die das menschliche Leben, die menschliche Person achtet, kann ich nicht einfach zum Gespött machen", so der Papst. Die Freiheit auf ungestörte Religionsausübung ist nach seinen Worten ein ebenso fundamentales Grundrecht des Menschen wie die Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit beinhalte auch "die Pflicht, das zu sagen, was man dem Gemeinwohl für förderlich hält". Es müsse eine "Freiheit ohne Beleidigen" sein.

Die Faust des Papstes

Auch für die Meinungsfreiheit gebe es Grenzen: "Man darf nicht provozieren, man darf den Glauben anderer nicht beleidigen", sagte Franziskus. Gleichzeitig deutete er ein gewisses Verständnis dafür an, dass Menschen auf Beleidigungen ihrer persönlichen und religiösen Identität heftig reagieren. Scherzhaft verwies er auf seinen Reisemarschall Alberto Gasbarri neben ihm: "Wenn Doktor Gasbarri, der mein Freund ist, meine Mutter beleidigt, kriegt er eins mit der Faust." Zugleich betonte er: "Man darf im Namen der Religion nicht verletzen, Krieg führen oder töten."
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