Prozess um Helmut Kohls Millionenforderung
Gericht will mehr Informationen

Der 86-jährige Altkanzler Helmut Kohl streitet vor Gericht um einen Schadenersatz in Millionenhöhe. Aus Mitschnitten für ein Buchprojekt hatte ein Ghostwriter ohne Kohls Erlaubnis Auszüge veröffentlicht. Dagegen klagt der CDU-Politiker nun. Archivbild: dpa

Köln. Altkanzler Helmut Kohl hat sich mit seiner Forderung nach fünf Millionen Euro Schadenersatz gegen seinen ehemaligen Memoiren-Mitautor nicht auf Anhieb durchsetzen können. Das Landgericht Köln entschied am Donnerstag, dass das Verfahren noch weitergeht - die nächste mündliche Verhandlung ist am 8. Dezember.

Der Vorsitzende Richter Martin Koepsel wiederholte zwar, dass das Gericht einen Anspruch Kohls auf Schadenersatz sieht, weil sein Persönlichkeitsrecht verletzt worden sei. Zur geforderten Höhe von fünf Millionen Euro - dies wäre eine Rekordsumme - sollen Kohls Anwälte jedoch weitere Informationen liefern.

Eigenmächtiger Ghostwriter


In dem Verfahren geht es um das Buch "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle" von Heribert Schwan und Tilman Jens. Die beiden Autoren veröffentlichten darin eigenmächtig Zitate aus Gesprächen, die Schwan vor vielen Jahren als Ghostwriter von Kohls Memoiren mit ihm geführt hatte. Gegen dieses Vorgehen hat Kohl geklagt und vor Gericht mehrfach Recht bekommen.

"Etappensieg"


Die Anwälte der Autoren und des Heyne-Verlags sprachen nach der Zwischenentscheidung von einem "Etappensieg". Ursprünglich habe das Gericht schon am Donnerstag ein Urteil verkünden wollen, doch nun werde es sich eingehender mit den Argumenten der Autoren und des Verlags befassen müssen, sagte Rechtsanwalt Roger Mann. An der Veröffentlichung gebe es "ein berechtigtes öffentliches und historisches Interesse".

Kohl hatte die Gespräche 2001 und 2002 mit Schwan geführt, damit der Journalist auf dieser Grundlage Kohls Memoiren verfassen konnte. Bevor der vierte und letzte Band erscheinen konnte, zerstritten sich die beiden. Später veröffentlichte Schwan ohne Absprache mit dem Altkanzler die "Kohl-Protokolle" mit pikanten Äußerungen von ihm über viele andere Politiker.
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