Putin: Allianz gegen IS

Russlands Präsident Wladimir Putin macht sich für eine Koalition gegen die Terrormiliz IS unter Einbeziehung von Syriens Machthaber Assad stark. Der Westen reagiert darauf mit Skepsis. Bild: dpa

Russland macht trotz Skepsis der USA Druck für die Bildung einer internationalen Koalition zum Kampf gegen den Terror in Syrien. An der Lage dort und in anderen Krisenländern gibt Kremlchef Putin dem Westen die Schuld. Und er bringt eine alte Idee wieder ins Spiel.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die internationale Gemeinschaft zum gemeinsamen Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien aufgefordert. "Wir unterstützen die Regierung in Syrien in ihrem Widerstand gegen die terroristische Aggression und leisten auch weiterhin die nötige militärtechnische Hilfe", sagte Putin am Dienstag in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe. "Wir rufen andere Länder auf, sich uns anzuschließen", sagte der Kremlchef laut Agentur Interfax auf einem Gipfel der Organisation des Vertrags über Kollektive Sicherheit (OVKS). Die Lage sei "sehr ernst".

Assad einbeziehen

Russland hatte sich mehrfach für eine internationale Koalition im Kampf gegen den IS ausgesprochen. Putin will daran auch den umstrittenen syrischen Machthaber Baschar al-Assad sowie die "gesunde Opposition" des Landes beteiligen. Assad sei zur Zusammenarbeit bereit, betonte Putin und wies Vorwürfe des Westens zurück, Russland sei wegen seiner Unterstützung für Assad mitverantwortlich für den Flüchtlingsstrom.

Die USA sehen die Initiative skeptisch und warnen vor einer militärischen Unterstützung Assads. Das Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) in London ist der gleichen Ansicht. Der IS sei nur zu schlagen, wenn sich der Westen Assad entgegenstelle, sagte IISS-Nahostexperte Emile Hokayem am Dienstag in London. "Die Koalition hat es nicht geschafft, entscheidende Erfolge gegen den IS zu erringen", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Hokayem geht davon aus, dass die De-facto-Teilung Syriens und des Iraks vorerst nicht rückgängig gemacht werden könne.

"Die derzeitige Strategie ist höchst fehlerhaft", sagte Hokayem. Um dem IS standzuhalten, sei der Westen auf die Kurden und auch auf sunnitische Muslime angewiesen. Daher müsse der Westen "politisch tun, was es braucht, um die Kurden auf seiner Seite zu halten." Zusätzlich sei die Hilfe sunnitischer Muslime nötig, um zu verhindern, dass die Terroristen sich weiter in sunnitischen Gebieten ausbreiteten. "Und wenn man sunnitische Araber an Bord holen will, braucht man eine politische und militärische Lösung, um das Schicksal Assads in Angriff zu nehmen", sagte Hokayem. Vor dieser "harten Wahrheit" drücke sich der Westen.

Auf der anderen Seite habe sich der IS, der über geschätzt 25 000 Kämpfer verfüge, als "anpassungsfähig und robust" erwiesen, heißt es im Bericht. Die starke Präsenz in den Medien inklusive der brutalen Enthauptungen von Geiseln mache die Gruppe für Dschihadisten attraktiv.

Derweil hält der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, einen deutschen Einsatz in Syrien für möglich. "Ich glaube, das entschiedene Nachdenken über militärische Handlungsoptionen darf nicht ohne Deutschland stattfinden", sagte er im Deutschlandfunk. Vor vier Jahren sei man froh gewesen, dass der Kelch einer militärischen Beteiligung an Deutschland vorbeigegangen ist. "Jetzt landet der Konflikt krachend vor unserer Haustür", sagte er.
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