Putin: Befehl um 7 Uhr

Wladimir Putin (links) und der damalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch im Juli 2013 in Sewastopol. Der Kremlchef hat jetzt im russischen Fernsehen erzählt, wie er vor einem Jahr nach der Revolution in Kiew angeordnet hat, Janukowitsch vor dem "sicheren Tod" zu retten. Bild: dpa

Morgens Krim-Krise, abends Olympia-Feier: Präsident Putin gibt einen seltenen Einblick in die angebliche Kremlstrategie des Konflikts vor einem Jahr.

Knapp ein Jahr nach der Einverleibung der Krim hat Kremlchef Wladimir Putin überraschend deutlich Einzelheiten der Kommando-Aktion offengelegt. Nach einer nächtlichen Krisensitzung im Kreml habe er am 23. Februar 2014 gegen 7 Uhr morgens befohlen: "Wir sind gezwungen, die Arbeit an der Rückkehr der Krim in den Bestand Russlands zu beginnen", sagte Putin in einem am Montag vom russischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Clip.

Wenige Stunden vor der dramatischen Sitzung war der prorussische ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch nach prowestlichen Protesten aus Kiew geflohen. Er habe zu den vier Teilnehmern der Beratung gesagt, dass Russland die Krim und ihre Bewohner nicht der "Willkür des Schicksals" und nicht den "Nationalisten" in der Ukraine überlassen dürfe, erklärte Putin. Moskaus Absicht sei aber "nicht die Okkupation oder Annexion" der Halbinsel gewesen. "Ziel war es, den Menschen zu ermöglichen, ihre Meinung zu äußern, wie sie weiter leben wollen", betonte Putin.

Eine "erste verdeckte" Umfrage habe ergeben, das sich drei Viertel der Krim-Bewohner eine "Wiedervereinigung mit Russland" wünschten. Bei dem Referendum am 16. März 2014 sei die Zahl noch höher gewesen. "Wir haben dann gehandelt, wie wir verpflichtet waren zu handeln." Er habe zudem angewiesen, Janukowitsch vor dem "sicheren Tod" zu retten, sagte Putin. "Es waren großkalibrige Maschinengewehre dort aufgestellt ... Wir bereiteten uns vor, ihn über Land, über Wasser oder durch die Luft aus Donezk rauszubringen."

Am Abend des 23. Februar 2014 beendete Putin dann mit dem deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Janukowitsch hatte mehrfach bestätigt, dass Moskau ihm nach dem Machtwechsel in Kiew zur Flucht verholfen hatte. Einige Tage nach dem Referendum unterzeichnete Putin dann den Beitritt der Schwarzmeer-Halbinsel zu Russland.

Keine neuen Sanktionen

Die EU sieht nach den Worten von Ratspräsident Donald Tusk vorerst von schärferen Sanktionen gegen Russland ab. Trotz anhaltender Provokationen des Kremlchefs sei die EU derzeit nicht zu weiteren Strafmaßnahmen gegen Moskau bereit, sagte Tusk bei einem Besuch in Washington. Einigkeit der 28 EU-Länder sei in dieser Frage derzeit "unmöglich" zu erreichen. US-Präsident Barack Obama empfing Tusk am Montag im Weißen Haus, um über die Lage in der Ukraine zu beraten.
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