Putin greift in Syrien ein

Ein Suchoi-Jagdbomber vom Typ Su-34 bei einer Vorführung in Moskau. Russische Bomber haben Ziele in Syrien angegriffen. Archivbild: dpa

Nach wochenlangen Spekulationen über eine russische Intervention in Syrien macht Kremlchef Putin ernst. Kampfjets bombardieren erste Ziele. Gilt der Einsatz wirklich nur dem Kampf gegen den Islamischen Staat - oder will Moskau seinen Partner Assad an der Macht halten?

Mit Luftschlägen auf strategische Ziele in Syrien hat Moskau erstmals militärisch in den blutigen Konflikt eingegriffen. Kampfjets hätten unter anderem Munitionsdepots und Treibstofflager der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bombardiert, teilte das Verteidigungsministerium mit. Russland flog nach eigenen Angaben insgesamt 20 Luftangriffe auf Stellungen des IS. Acht strategische Ziele seien bombardiert worden, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow der Agentur Interfax zufolge. Dabei seien Munitionsdepots und Treibstofflager sowie Kommandostellen im Gebirge vollständig zerstört worden. "Alle Attacken wurden nach den Daten der syrischen Armee durchgeführt", sagte Konaschenkow.

Syrischen Aktivisten zufolge bombardierten die Jets Orte nördlich von Homs, die von gemäßigten Rebellen gehalten werden. Khaled Khudscha, Vorsitzender des Oppositionsbündnisses Nationale Syrische Koalition, erklärte über Twitter, in dem Gebiet gebe es weder Kämpfer des IS noch des Terrornetzwerkes Al-Kaida. Präsident Wladimir Putin nannte Russlands Intervention den "einzigen Weg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus". Russland werde die syrische Armee so lange unterstützen, bis diese ihren Kampf beendet habe, kündigte er an. Der Föderationsrat in Moskau hatte Putin am Morgen einstimmig den Einsatz von Soldaten erlaubt. Der syrische Machthaber Baschar al-Assad habe Russland um Militärhilfe gebeten, sagte der Chef der Präsidialverwaltung, Sergej Iwanow. Es gehe um Luftangriffe, der Einsatz von Bodentruppen sei ausgeschlossen. Putin sagte, er rechne mit Assads "Kompromissbereitschaft" bei der Lösung der Krise. Russland betreibt in der syrischen Hafenstadt Tartus eine wichtige Militärbasis. Putin bezeichnete die Luftangriffe als "Präventivschlag". Terroristen müssten "vernichtet" werden - "statt zu warten, dass sie zu uns kommen". Alle Partner seien informiert. Die Nato kritisierte, die Unterstützung Russlands für Assad sei "nicht konstruktiv". Das sagte ein hochrangiger Mitarbeiter der Militärallianz. Beim ersten Angriff der französischen Luftwaffe auf IS-Stellungen in Syrien wurden laut Aktivisten mindestens 30 Anhänger der Extremisten getötet. Frankreich hatte nach eigenen Angaben am Sonntag den ersten Angriff auf den IS in Syrien geflogen.
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