Raif Badawi muss in Saudi-Arabien unmenschliche Strafe erdulden - Sein Vergehen: Er sagt seine ...
Blogger, Vater, Aktivist - ausgepeitscht

Ein Dutzend Amnesty-International-Unterstützer demonstriert für Raif Badawi vor der saudischen Botschaft in Den Haag. Bild: dpa
"Warum bist du im Gefängnis, Papa? Stimmt es, dass es daran liegt, dass du eine Webseite gegründet hast, die zur sozialen und politischen Diskussion aufruft?" In einem Brief an seinen Vater Raif Badawi stellt der zehnjährige Doudi die Frage, die viele umtreibt. Der Blogger Raif Badawi ist seit mehr als zwei Jahren in seiner Heimat Saudi-Arabien inhaftiert. Vergangenes Jahr wurde er zu zehn Jahren Gefängnis und 1000 Peitschenhieben verurteilt.

Jeden Freitag 50 Schläge

Die ersten 50 Schläge wurden am Freitag vor einer Woche in Dschidda vollstreckt - öffentlich, auf einem Platz vor der Al-Jafali-Moschee, nach dem Freitagsgebet. Am Freitag sollen die nächsten 50 Hiebe folgen - trotz des Protestes von Menschenrechtlern und Politikern, die seine sofortige Freilassung fordern. Überraschend setzte Saudi-Arabien nun die Strafe aus medizinischen Gründen für eine Woche aus. Die Wunden von der ersten Auspeitschung seien nicht ausreichend verheilt. Zudem war bereits vor Tagen sein Fall ans oberste Gericht überwiesen worden.

Badawi, der am Dienstag 31 Jahre alt wurde, ist Saudi. Vor mehreren Jahren gründete er in seiner Heimat das Internetportal "Die saudischen Liberalen". Es sollte eine Plattform mit Berichten und Analysen über seine Heimat sein, kritisch und offen. Dabei scheute er nicht, politische und religiöse Entscheidungen oder Institutionen in dem streng islamischen Königreich zu kritisieren.

Für die absolute Monarchie war das zu viel: Badawi wurde vorgeworfen, den Islam auf seinem Portal beleidigt zu haben. Im Juni 2012 verhafteten ihn die Sicherheitsbehörden, seine Webseite wurde geschlossen. Gegen Badawi wurde ein Verfahren wegen "Apostasie", Abtrünnigkeit vom Islam, eingeleitet. Eine Straftat, die im Königreich mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Das Verfahren zog sich hin. Mehrfach wurde der Prozess von einem zum anderen Gericht überwiesen. Die Berufungsverfahren von Badawi blieben erfolglos. Zuletzt verurteilte ihn im Mai das Strafgericht in Dschidda zu Haft, den Peitschenhieben, einem anschließenden Reiseverbot und darüber hinaus zu einer Geldstrafe von umgerechnet fast 200 000 Euro. Das Berufungsgericht bestätigte das Urteil Anfang September. Die Peitschenhiebe sollen über 20 Wochen aufgeteilt werden, wie es das Gericht vorschreibt.

Seither versuchen Amnesty International, die auch den Brief von Badawis Sohn öffentlich machte, und Human Rights Watch sowie Demonstranten und Politiker, das Königreich von einer Vollstreckung der Strafe abzubringen. Am Montag überreichtete Amnesty der saudischen Botschaft in Berlin etwa 50 000 Protestschreiben.

Zuflucht in Kanada

Badawis Frau Ensaf Haidar, die mittlerweile mit den drei Kindern in Kanada lebt, sagte zu Amnesty, dass ihr Mann eine zweite Runde der Peitschenhiebe kaum aushalten werde. "Raif sagte mir, er habe nach der ersten Auspeitschung große Schmerzen, sein Gesundheitszustand ist angeschlagen und ich bin sicher, er wird eine zweite Runde nicht aushalten."
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