Rebellion in der AfD um Führungspläne ihres Ausgängeschildes Bernd Lucke - Vorstandsmitglieder ...
Das Alternativ-Los: Junge Partei am Scheideweg

Bernd Lucke (rechts) ist das Gesicht der AfD. Das haben auch Frauke Petry und Konrad Adam inzwischen akzeptiert - obwohl sie eigentlich genauso entscheiden dürfen wie er. Dass Lucke sie mit einer Satzungsänderung ausbooten will, versuchen sie mit aller Macht zu verhindern. Archivbild: dpa
Das Schreiben, das kurz nach den Feiertagen bei AfD-Chef Bernd Lucke eingeht, ist zwar im Ton höflich, aber in der Sache knallhart. Die Absender, darunter mehrere Mitglieder des Bundesvorstandes, beschweren sich darin über seinen Führungsstil "nach Gutsherrenart". Und über Luckes angeblichen Versuch, Funktionsträger der Partei "auf Linie zu bringen". Er, Lucke, solle sich künftig bitte nur zur Euro-Rettungspolitik äußern - und andere Themen wie Zuwanderung, den Ukraine-Konflikt oder die Angst vor der "Islamisierung" Deutschlands gefälligst anderen Parteimitgliedern überlassen, die dafür besser geeignet seien.

Wer Lucke (52) kennt, weiß, dass er sich diese Maßregelung wohl nicht gefallen lassen wird. Damit ist der Machtkampf noch vor dem mit Spannung erwarteten Parteitag Ende Januar in Bremen eskaliert. Hintergrund des Protestbriefs: Lucke will auf dem Parteitag eine neue Satzung durchsetzen, die seine Führungsrolle zementieren würde. Wer nach dem Mitgliederparteitag als Sieger vom Platz geht, ist offen. Fest steht aber: In Bremen entscheidet sich, ob die AfD dauerhaft einen Platz in der deutschen Parteienlandschaft finden wird. Oder der erst 2013 gegründeten Anti-Euro-Partei eine Austrittswelle droht, von der sie sich womöglich nie mehr erholen wird. Sollten die Mitglieder die von Lucke favorisierte Führungsstruktur mit nur einem Vorsitzenden und drei Stellvertretern ablehnen, ist zu erwarten, dass Lucke bei der Wahl des neuen Bundesvorstandes Anfang April nicht mehr kandidieren wird. Dann hätte die AfD ein Problem. Denn Lucke ist das Aushängeschild der jungen Partei. "Wenn das passieren sollte, dann werde ich die AfD verlassen", ist ein Satz, den man im Unterbau der Partei jetzt oft hört. Das wissen auch die Funktionäre, die Lucke nun vor einem von diesem geplanten Treffen mit den Kreisvorsitzenden am 18. Januar in Frankfurt am Main um ein klärendes Gespräch gebeten haben. Ihre Botschaft an Lucke ist deshalb: "Wir stehen nach wie vor zu Ihnen als einem von drei Sprechern." Eine Hierarchie nach dem Vorbild anderer Parteien lehnen sie ab. "Wir sind alle gemeinsam angetreten, manches anders und vieles besser zu machen. Eine CDU/FDP 2.0 gehört nicht dazu", heißt es in dem Schreiben an Lucke. Tatsächlich ähnelt der derzeitige Aufbau der AfD-Parteispitze mehr der Führungsstruktur bei den Grünen.

Sorge um Rechtsruck

Vor allem liberale Mitglieder befürchten, dass die AfD ohne Lucke weiter nach rechts abdriften könnte. Dafür, dass die Sorge vor "Überfremdung" zum zentralen Thema der Partei wird, gibt es schon Anzeichen - vor allem in Ostdeutschland. Der Auftritt des Brandenburger AfD-Chefs Alexander Gauland am Rande einer Demonstration der Anti-Islam-Bewegung Pegida in Dresden wurde von einigen Kommentatoren noch als einmaliger unanständiger "Flirt" der Partei mit dem rechten Rand der Gesellschaft gewertet. Für den 7. Januar hat nun aber die Fraktionsvorsitzende der AfD im sächsischen Landtag, Frauke Petry, die Pegida-Organisatoren zu einem Gedankenaustausch in ihr Büro im Landtag eingeladen. Mit dem restlichen Bundesvorstand ist der Pegida-Termin zwar abgesprochen. Doch zumindest Vorstands-Vize Hans-Olaf Henkel sieht die Bewegung, die vor einer angeblichen "Islamisierung des Abendlandes" warnt, nicht nur wegen der ausländerfeindlichen Einstellung einiger Demonstranten kritisch.

Bisher teilt sich Lucke den Parteivorsitz mit Petry und dem konservativen Publizisten Konrad Adam. Persönliche Kritik an seinen beiden Co-Sprechern kommt Lucke nicht über die Lippen. Doch dass es den arbeitswütigen Volkswirt nervt, wenn er alle Entscheidungen abstimmen muss, ist ihm deutlich anzumerken. Er sagt: "Es ist nicht gut, wenn Unklarheiten bestehen, wer den Kurs der Partei vorgibt." Lucke plädiert deshalb für eine "normale Führungsstruktur" wie in anderen Parteien: mit einem Parteivorsitzenden, mehreren Stellvertretern und einem hauptamtlichen Generalsekretär.
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