Rechter Galgenhumor

Da gibt es ganz deutlich eine Steigerung der Wut, der Aggressivität und des Attackierens, die sich auch in Bildern ausdrückt.

Seit einem Jahr gehen die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" auf die Straße. Fast aus dem öffentlichen Interesse verschwunden, bringt die Flüchtlingskrise neuen Zulauf.

#MerktEuchDieNamen - Lutz Bachmann unterschreibt Facebook-Kommentare gern mit diesem Hashtag. Auch den, mit dem er einen Galgen bei einer Pegida-Demo, der für die beiden höchsten Repräsentanten der Bundesregierung reserviert war, als "eine witzige Anekdote" abtut. Für ihn ist das, was ein Anhänger des von ihm vor einem Jahr gegründeten fremden- und islamfeindlichen Bündnisses am Montagabend durch die Dresdner Altstadt trug, nur Produkt "lächerlicher Bastelarbeiten mit Schreibfehlern".

Galgen für Verräter

"Siegmar ,das Pack' Gabriel" und "Angela ,Mutti' Merkel" stand auf den vom Galgen baumelnden Zetteln geschrieben - Sigmar fälschlicherweise mit "ie". Auch wenn die Bundeskanzlerin nicht persönlich dagegen vorgehen will, der Dresdner Staatsanwalt Jan Hille ermittelt wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten und der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten.

Waren die Demonstrationen nach dem durch Hitler-Selfie und ausländerfeindliche Äußerungen Bachmanns ausgelösten Bruch in der Pegida-Spitze im Januar deutlich kleiner ausgefallen, hat die Bewegung seit der dramatischen Zuspitzung der Flüchtlingskrise wieder Zulauf. Und der Ton wird schärfer: "Da gibt es ganz deutlich eine Steigerung der Wut, der Aggressivität und des Attackierens, die sich auch in Bildern ausdrückt", interpretiert der Berliner Protestforscher Dieter Rucht den zur Schau getragenen Galgen.

Zudem wurden Migranten, Pegida-kritische Passanten wie die Teilnehmer eines Schüler-Theaterfestivals und Journalisten aus dem Demonstrationszug heraus bepöbelt, angespuckt, geschlagen und getreten. Der Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer sieht darin eine "zunehmende Verrohung auf der Straße". Dort gehe es um die Vorherrschaft. "Es gibt unterschiedliche Gruppierungen, die konkurrieren miteinander, das ist Pegida, das ist AfD, das ist die NPD, das ist die Partei Die Rechte und das ist Widerstand Ost West." Die AfD war in Dresden ebenfalls gegen die Asylpolitik auf die Straße gegangen, hatte aber bei weitem nicht so großen Zulauf. Mitte September hatte Bachmann die Gründung einer Pegida-Partei angekündigt, die auf kommunaler, Landes- und Bundesebene antreten werde. Gehört hat man nichts mehr davon.

Pegida will Säxit

Für die Kundgebung zum ersten Pegida-Jahrestag am kommenden Montag hat er viel Besuch auch aus dem europäischen Ausland versprochen. Vor Wochen schon hatte er die Chefin der rechtsextremen französischen Front National, Marine Le Pen, und den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban eingeladen. Le Pen gab Bachmann einen Korb. Ob Orban reagierte, ist nicht bekannt.

Über 25 000 Menschen brachte Pegida in Dresden schon auf die Straße, zuletzt waren es bis zu 9000. Zur "Geburtstagsfeier" dürfte es auf dem Theaterplatz vor der Semperoper voller werden, wenn wohl auch nicht so voll wie im Januar. Ein Highlight hat Bachmann seinen Anhängern angekündigt: die Uraufführung einer "Pegida-Hymne" - vielleicht schon gedacht als Vorbereitung zum von Tatjana Festerling angeregten "Säxit" - dem Austritt Sachsens aus Bundesrepublik und EU. (Kommentar)
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