"Regenschirm-Revolution": Massenproteste für mehr Demokratie weiten sich aus
Hongkong provoziert Peking

Die Massenproteste haben in Hongkong die schwerste Krise seit Rückgabe der früheren britischen Kronkolonie 1997 an China ausgelöst. Die Demonstrationen für mehr Demokratie in der heutigen chinesischen Sonderverwaltungsregion weiteten sich am Montag aus. Zehntausende blockierten nicht nur den Finanzdistrikt, sondern erstmals auch andere Teile der asiatischen Wirtschaftsmetropole. Ein Ende der Proteste ist nicht in Sicht.

Die Organisatoren riefen die Hongkonger auf, die Demonstrationen so lange fortzusetzen, bis ihre Forderung nach mehr Demokratie erhört werde. Die Bundesregierung ermahnte China dazu, friedliche Kundgebungen zu tolerieren. Chinas Regierung gab sich kompromisslos. Die Sprecherin des Außenministeriums in Peking, Hua Chunying, verurteilte die "illegalen Aktivitäten". Andere Länder warnte Hua vor einer "Einmischung in interne Angelegenheiten", indem sie die Demonstranten unterstützten.

Chinas Staatsmedien sahen "radikale Oppositionskräfte" am Werk. Vergleiche mit der 1989 blutig niedergeschlagenen Demokratiebewegung in China wurden zurückgewiesen. "China ist nicht mehr die gleiche Nation wie vor 25 Jahren", kommentierte die "Global Times".

Chinas Regierung zeigte "volles Vertrauen" in die Regierung der autonomen Sonderverwaltungsregion, wieder Herr der Lage zu werden. Die Proteste entzündeten sich an einer Wahlreform, mit der Peking für 2017 zwar direkte Wahlen, aber keine freie Nominierung der Kandidaten zulassen will. Die ehemalige britische Kronkolonie wird heute nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" als völlig eigenständiges chinesisches Territorium mit Landesgrenzen autonom regiert.

In einer Fernsehansprache rief Regierungschef Leung Chun-ying die sieben Millionen Hongkonger zu Ruhe und Ordnung auf. Er dementierte Gerüchte, dass seine Regierung die chinesische Volksbefreiungsarmee um Hilfe gebeten habe.
Weitere Beiträge zu den Themen: Politik (7296)Hongkong (34)September 2014 (8409)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.