Regierung will Milliarden-Anreize beim Energiesparen geben: Neue Regeln für Sanierungsarbeiten
Die gedämmte Republik

Gut verpackt: Dämmplatten kommen an die Fassade eines Mehrfamilienhauses. Gehen die jüngsten Gesetzespläne durch, ändert sich für Mieter, Eigentümer und Handwerker im nächsten Jahr einiges. Archivbild: dpa
Sigmar Gabriel hat schon mal gedämmt. Sein Haus in Goslar. Der Energieminister und SPD-Chef war mit der Sanierung zufrieden: "Ich hab' in der Tat hinterher weniger Energie verbraucht." Jetzt sollen viele Hausbesitzer seinem Beispiel folgen. Drei Milliarden Euro will die Regierung künftig für Anreize zur Gebäudesanierung spendieren, um die Klimaschutzziele bis 2020 noch zu schaffen. Zweifel an der Sinnhaftigkeit, Deutschlands Häuser massenhaft in Styropor zu packen, wischt Gabriel zur Seite. Fakt sei, dass in vielen alten Häusern "im Winter mehr der Garten als das Wohnzimmer geheizt wird".

Wie hilft das Finanzamt den Bürgern beim Energiesparen?

Wer sich eine neue Heizung, die weniger Gas oder Öl verbraucht, einbaut, soll für eine Einzelbaumaßnahme künftig 10 Prozent seiner Kosten über zehn Jahre erstattet bekommen. Ein Beispiel: Der neue Heizkessel kostet 5000 Euro. Anrechenbar in der Steuererklärung sind dann 50 Euro pro Jahr, macht nach zehn Jahren 500 Euro, die das Finanzamt direkt von der Steuerschuld abzieht. Saniert ein Haus- oder Wohnungsbesitzer im großen Stil - Heizung, Dämmung, Fenster, Dach - kann er bis zu 25 Prozent der Kosten zurückbekommen.

Ab wann gilt das?

Das neue CO2-Gebäudesanierungsprogramm soll von Januar 2015 an für fünf Jahre laufen. Aber: Bevor es in Kraft treten kann, muss sich der Bund mit den Ländern über die Kosten von einer Milliarde Euro pro Jahr einigen, weil die Steuerausfälle beide Seiten betreffen. Darüber soll am 11. Dezember bei einem Bund-Länder-Gipfel im Kanzleramt gesprochen werden. Die Regierung strebt bis spätestens Ende Februar eine Lösung an, die rückwirkend zum 1. Januar 2015 gelten soll. Das ist wichtig, weil viele Verbraucher in den nächsten Wochen Aufträge an Handwerker verschieben könnten, bis sie die Details kennen.

Steht der neue Klimaschutzbonus in Konkurrenz zu laufenden Förderprogrammen der KFW-Bank?

Nein. Es handelt sich um ein zusätzliches Angebot. Der Bund will zum Beispiel Immobilienbesitzer ansprechen, die Kredite und den damit verbundenen Papierkram scheuen. Gerade Ältere zahlen eine neue Heizung oder das Dach lieber aus eigener Tasche. Sie können dann den Bonus bei der Steuererklärung geltend machen.

Wird die KFW-Förderung aufgestockt?

Ja. Schon die Vorgängerregierung hatte die Mittel für die Gebäudesanierung von 936 Millionen Euro pro Jahr auf 1,8 Milliarden Euro nahezu verdoppelt. Jetzt soll die Förderung noch einmal auf insgesamt 2 Milliarden Euro erhöht werden. Maximal gefördert werden von der Staatsbank KfW 50 000 Euro pro Wohneinheit. Neu ist, dass auch Sanierungen von Gewerbegebäuden oder Pflegeheimen unterstützt werden. Die Laufzeit des Kredits beträgt bis zu 10 Jahre bei einem festgeschriebenen Zinssatz für die Gesamtkreditlaufzeit.

Warum will die Regierung im Gegenzug die Absetzbarkeit von Handwerker-Rechnungen kürzen?

Es geht ums Geld. Um die neuen Sanierungsanreize für Hausbesitzer zu finanzieren und die Steuerausfälle aufseiten der Länder zu begrenzen, sollen nur noch Handwerker-Leistungen oberhalb von 300 Euro beim Finanzamt von der Steuerschuld abziehbar sein. Das Handwerk kann damit leben, weil kleine Rechnungen für Reparaturen ohnehin viel Papierkram bedeuten.

Auch will die Politik, dass eben mehr in energiesparende Maßnahmen investiert wird und nicht mehr auch der Einbau einer neuen Badewanne begünstigt ist. Der Mieterbund kritisiert, dass das Millionen Mieter treffen würde, während Hausbesitzer bei der Gebäudesanierung fein raus seien. Auch die CSU mäkelt: Der Plan könnte wie eine heimliche Steuererhöhung bei den Bürgern ankommen.
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