Reiche sollen Federn lassen

Eine Fassade in Athen: Steuereinnahmen lassen sich nicht herbeibeten. Die neue griechische Regierung plant einen härteren Kurs und will unter anderem reichen Reedern in den Geldbeutel greifen. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Schifffahrtsunternehmer das Land verlassen. Bild: dpa

Medienmogule, Rechtsanwälte, Ärzte mit großen Praxen, Industrielle und Bauunternehmer: Alle will Athen nun zur Kasse bitten. Eine Herkulesaufgabe für die Linke in Griechenland.

Athen hat der Steuerhinterziehung und der Korruption entschieden den Kampf angesagt. Das haben etliche Vorgängerregierungen allerdings auch schon versucht - und sind dabei jahrzehntelang nicht vorangekommen. Die Regierung unter dem linken Premier Alexis Tsipras will nun alles daran setzen, vor allem die reichen Griechen zur Kasse zu bitten. Eine "neue Kultur der Steuerehrlichkeit" soll geschaffen werden, heißt es in der Reformliste, die ausreichte, um grünes Licht von der Euro-Gruppe für eine Verlängerung des Hilfsprogramms zu erhalten.

"Man muss sie nicht bitten, man muss sie dazu zwingen", heißt es aus Kreisen des Finanzministeriums in Athen. Tsipras hält sich zugute, im Gegensatz zu seinen Vorgängern die Klientel der Wohlhabenden nicht bedienen zu müssen. Konservative wie Sozialisten waren mit der Steuereintreibung in den vergangenen Jahrzehnten kläglich gescheitert. "Weil sie die Vetternwirtschaft gefördert haben", sagt Nikos Filis, Abgeordneter der Linkspartei Syriza.

Geldquellen ungenutzt

Wofür in anderen Staaten viel Geld bezahlt werden muss, ließ der griechische Staat in der Vergangenheit links liegen. Beispiel: die Frequenzvergabe für private Radio- und Fernsehsender. Etablierten Unternehmern wurden Frequenzen vorläufig zugeteilt, sie brauchten keine Nutzungsgebühren zu bezahlen, bis eine endgültige Regelung umgesetzt würde. Dazu kam es jedoch in den vergangenen 26 Jahren nicht. Jährlich seien dadurch Einnahmen von rund 100 Millionen Euro entgangen, rechnet die Regierung unter Tsipras vor.

Die Sender gehören den größten griechischen Bauunternehmen. Auch Reeder mischen mit. Künftig sollen alle Nutzungsgebühren bezahlen. Ein entsprechendes Gesetz soll in den kommenden Wochen fertig sein. Auch bei Freiberuflern will die neue Regierung ansetzen. Steuern zu hinterziehen ist bei Ärzten, Rechtsanwälten, aber auch Handwerkern weit verbreitet. Oftmals zahlen ihre Kunden, ohne eine Quittung zu erhalten. Beispiel: Für eine kurze sofortige Behandlung verlange ein Arzt 40 Euro. "Eine Quittung gibt es nicht. Man ist aber schnell das Problem los. Man bekommt gleich die Medikamente verschrieben", sagt eine Patientin. Mehr als eine Woche dauere es meist, bei einem Krankenkassen-Arzt.

Die Regierung Tsipras will wie die Vorgänger die Steuerverwaltung effizienter gestalten und besser ausstatten. Hohe Summen stehen noch aus von Unternehmen, die längst aufgegeben haben und von Bürgern, die Pleite gegangen sind. Viele Steuerschulden sind gar nicht mehr einzutreiben. Dieses Steuerloch wird auf 76 Milliarden Euro geschätzt.

Lock-Angebot

Vizefinanzministerin Nadja Valavani will säumigen Bürgern ein verlockendes Angebot machen: Wer dem Staat Geld schuldet, könne künftig auf einen Schuldenerlass in Höhe von bis zu 50 Prozent rechnen. Voraussetzung dafür sei, dass er sofort 200 Euro und den Rest in bis zu 100 Raten zahlt. Damit hätte man die Hoffung, zumindest einen kleinen Teil dieser Riesensumme zu kassieren, hieß es. Harte Kritik gibt es auch an der Behandlung griechischer Reeder. Doch dieses Problem anzugehen, sei leichter gesagt als getan, erklären Experten. Denn weltweit - auch in Deutschland - genießen die Reeder Steuervergünstigungen. Sie werden nicht nach ihren Gewinnen, sondern nach der Tonnage ihrer Schiffe besteuert. Wenn jemand versuchen würde, dies zu ändern, dann könnten sie ihre Büros in Piräus schließen, ihre Schiffe unter Billigflaggen fahren lassen. Der Fiskus bekäme nichts, zudem gingen Arbeitsplätze verloren.

Viele Experten sind skeptisch, ob Tsipras beim Thema Steuerhinterziehung viel erreichen wird. Die Steuerbehörde SDOE, zuständig für die Verfolgung der kriminellen Steuerhinterziehung, hat nach Angaben der Steuerbeamten-Gewerkschaft gerade einmal 17 Steuerfahnder. "Wir glauben aber, dass wir als neue Regierung eine Chance verdient haben", sagt ein enger Mitarbeiter des Regierungschefs.
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